Miszellen aus einem Lehrerleben am Melanchthongymnasium Bretten
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1 In den Pausen der Theatergruppen-Vorstellungen gab es eine Saftbar. Alkoholisches wurde nicht ausgeschenkt. Die Folge: Der Betrag, der für die Arbeit der Theatergruppe übrig bleiben sollte, war immer gering. |
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2 Im Unterricht wies ich jedes Jahr auf Ereignisse hin, die die deutsche Nachkriegsgeschichte prägten: Im November zeigte ich einzelnen Klassen, in einigen Jahren mit Zustimmung der Schulleitung auch ganzen Jahrgängen eine filmische Dokumentation zum Fall der Berliner Mauer. |
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3 Rauchen und Alkohol waren auf Klassenreisen mit mir verpönt. Eine Klasse hatte einmal sogar eine Vereinbarung schriftlich formuliert, während der Klassenfahrt nicht zu rauchen. Die kam allerdings ins Wanken, als die mitreisende Kollegin abends vor der Jugendherberge auf ihre Zigarette nicht verzichten konnte. Was das Alkoholverbot betrifft, so hatte ich angesichts der lokalen Gewohnheiten immer einen schweren Stand... |
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4 Zu den Themen Rauchen, Alkohol und andere Drogen organisierte ich mit der Drogenberatung und der örtlichen Polizei öfter in Mittelstufenklassen einen "pädagogischen Tag". |
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5 Im Deutschunterricht war die Lektüre von Werken Bertolt Brechts ein für die Schüler zunächst nicht immer begeisterungsfördernder Pflichtbestandteil, oft verbunden mit einem Theaterbesuch. |
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6 In den 1970/80er Jahren habe ich Schülertheaterveranstaltungen organisiert. Als immer mehr Schüler die Aufführungen vormittags lieber schwänzten oder über den Knopf im Ohr ihre Lieblingsmusik während der Vorstellung hörten, gab ich diese Aktivität auf. |
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7 Besonderen Zuspruch erhielten während vieler Jahre die kurz aufeinander folgenden Besuche von zwei Inszenierungen desgleichen Schauspiels. Deutlich erinnere ich mich an die lebhaften Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern nach dem Besuch der diametral entgegengesetzten Inszenierungen von Goethes "Iphigenie auf Tauris" in den Schauspielhäusern von Baden-Baden und Stuttgart. |
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8 Große Bedeutung hatten immer schüler- und handlungsorientierte Unterrichtseinheiten, die ich gerne in Form von Arbeitsgemeinschaften oder Exkursionen und als Geländegänge durchführte. Eindrucksvoll waren die Untersuchungen der sommerlichen Temperaturverhältnisse in Bretten (mit Infrarot-Scanner Befliegung des Stadtgebietes durch Starfighter der Bundeswehr-Luftwaffe), die Kartierungen zur Agrarstruktur in Diedelsheim, die Nutzungs- und Attraktivitätskartierungen der Brettener Innenstadt, die Messungen zur Luftqualität im Umfeld unserer Schule oder auch das Projekt mit den Teilnehmern am deutsch-polnischen Schüleraustausch in Danzig "Auf den Spuren von Günther Grass". |
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9 Nicht immer ging alles glatt: Bei dem Versuch, ein Bodenprofil zu erarbeiten, musste das untere, einen Meter lange Teilstück des Erdbohrers im Boden bleiben - wir schafften es nicht mehr, ihn hinauszuziehen. Wir hätten einen Krater graben müssen. Der Bohrer steckt noch heute tief unten im Boden - nur wenige wissen, wo. Oder: Während einer Übung zum Vermessen mit dem Theodoliten bekamen wir die weit entfernte Jugendherberge ins Okular - und sahen einen Mann, der aufmerksam in mein Zimmer im Erdgeschoss schaute. Kommentar eines Schülers: "Der sucht in Schallhorns Zimmer nach Pornos!" ..... |
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10 Während einer Wanderung mit einer 6. Klasse auf die Teufelsmühle erklärten die Schüler, in den nächsten Sekunden unweigerlich vor Erschöpfung sterben zu müssen und keinen Schritt mehr tun zu können. Als dennoch alle oben waren, packte schon einer einen Fußball aus, und alle tobten weitab von einem Erschöpfungstod dem Ball hinterher, lebendig wie selten. Wenn wir uns später sahen, hieß es immer sehr schnell: Weißt du noch, damals auf der Teufelsmühle...
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11 Eine andere Wanderung: An einer Weggabelung wurde die topographische Karte studiert. Ich hielt den einen Weg für richtig, die Schüler den anderen. Da der Nachmittag schon dem Ende zuging, erklärte ich den Schülern schließlich, dass ich doch eigentlich Kartenlesen könne, ich sei doch Geograph, und jetzt sollten sie mir doch bitte ohne Widerrede folgen. Als nach einer Wegstunde das Ziel weiter denn je schien und die Abenddämmerung zu erahnen war, musste ich meine Fehlinterpretation der Wegstrecke eingestehen. Ich wies die Schüler an, an Ort und Stelle stehen zu bleiben und zu verharren, bis ich wieder erscheinen würde. Dann lief ich schnellen Schrittes querfeld- und -waldein davon, erreichte auch bald einen Ort mit Telefon (Handys gab es damals noch nicht), organisierte einen Bus und brachte - etwas kleinlaut - alle rechtzeitig zum Abendessen in die Jugendherberge.. |
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12 Klassenfahrt nach Lutherstadt Wittenberg. Das Reichstagsgebäude in Berlin war von Christo verpackt. Schließlich hielten wir es nicht mehr aus, wir beschlossen kurzfristig und spontan den Ausflug ins nicht weit entfernte Berlin. Wunderschön, unvergesslich. Wir hatten von der Reiseauskunft die Abfahrzeiten des letzten Zuges zurück nach Lu.-Wittenberg erfahren, den wir dann auch nehmen wollten. Aber die passende S-Bahn-Fahrt endete jäh: Infolge von Gleisbauarbeiten ersetzte ein Busverkehr einen Teil der S-Bahn-Fahrt - der letzte Zug nach Wittenberg war nicht mehr zu erreichen. Schließlich standen wir nachts auf dem Bahnhof in Jüterbog, unserem vermeintlichen Nachtquartier. Da entdeckte jemand eine "Spielhölle" in Bahnhofsnähe, entsprechend der Nachtzeit weitgehend ohne Gäste. Ich bat den Besitzer um "Obdach" bis zum ersten Zug am nächsten Morgen. Die Rücksprache mit der Polizei ergab: Sperrstunde aufgehoben, wir konnten bleiben. Die einen spielten Billard, die anderen schliefen auf zusammen gestellten Stühlen - eine unvergessliche Erinnerung wurde es allemal. Am nächsten Morgen trafen wir todmüde in der Jugendherberge in Wittenberg ein. Ein Vater hatte uns für diesen Tag als Besonderheit einen Ausflug in die Umgebung geschenkt. Der Bus kam pünktlich, der Busfahrer hatte auf Geheiß des spendenden Vaters Proviant für eine ganze Klasse und einen ganzen Tag an Bord - aber es erschienen nur vielleicht zehn Schüler, die anderen waren im Schlaf versunken... |
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13 Fahrt der Theatergruppe nach Warschau. Wir mussten alles von Bretten aus organisieren, auch das Bühnenbild. An eine Fahrt mit der Deutschen Bahn war angesichts des Gepäcks nicht zu denken. Also mieteten wir mithilfe der Warschauer Freunde einen Bus, der uns aus Warschau in Bretten abholte. Da wir auch die Kulissen mitnehmen mussten, fertigten wir sie so, dass sie groß genug für die Bühne, aber klein genug für den Transport waren. Wir waren stolz darauf, alles fristgerecht fertig gestellt zu haben. Die neuen Kulissen waren wirklich schön geworden, glatt, gerade, haltbar, standfest. Der Bus kam, die hilfsbereiten polnischen Busfahrer montierten die vordersten Sitze aus, um die Kulissenteile in den Bus schieben zu können. Die Aufführung war eindrucksvoll, der Aufenthalt in Warschau für alle erlebnisreich. Auf der Rückfahrt, in Höhe von Dresden, auf der Autobahn: Der Bus rollt antriebslos auf dem Randstreifen aus, der Motor hatte sich zerlegt. Unter dem Bus eine große Öllache. Ein Abschleppwagen zog den Bus zum nächsten Parkplatz, wo wir ihn komplett ausladen mussten. Es war Sonntag - woher jetzt einen Ersatzbus bekommen? Glücklicherweise hatte der Fahrer eines hinter uns fahrenden Busses angeboten, seinen Chef zu bitten, uns einen Ersatzbus zu schicken. Wir nahmen dankbar an. Nach drei Stunden kam der Bus, es war inzwischen dunkel geworden. Als wir einladen wollten, weigerten sich die Fahrer, die Kulissen in den Bus zu laden, das sei verboten. In die Laderäume passten sie nicht hinein. So blieb nur eines: Man sah im fahlen Licht der Laternen eine Anzahl junger Leute Stoff zerreißen und Latten zerbrechen: Die großen Kulissenteile mussten auf die passende Größe gebracht werden, damit sie in die Papierkörbe passten. Uns blutete das Herz. |
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14 Eine Zeitlang in den 1980er Jahren hatte ich mit Schülern einer Arbeitsgemeinschaft Briefkontakt zu einer Kameruner Schule. Während dieser Zeit räumten wir den Dachboden im Altbau aus. Es kamen zehn große, schöne Nähmaschinen aus der Zeit des Handarbeitsunterrichts zum Vorschein, die weggeworfen werden sollten. Ich hatte eine andere Idee: Ich ließ sie instandsetzen oder reparierte, was ich selbst konnte. Dann ging ich mit den Schülern, die an dem Briefkontakt teilnahmen, auf Sponsorensuche in Bretten: Wir wollten die Nähmaschinen nach Kamerun expedieren. Leider hatten wir keinen Erfolg. Als Bundeskanzler Kohl in dieser Zeit einen Staatsbesuch in Kamerun beabsichtigte, rief ich im Kanzleramt an, ob er die Nähmaschinen für unsere Briefpartnerschule nicht mitnehmen wolle und könne. Ja, man werde sich melden. Dann geschah lange nichts. Eines Tages aber bekam ich die schriftliche Mitteilung, dass in wenigen Tagen eine Spedition die Nähmaschinen abholen und nach Kamerun verschicken würde - das Kanzleramt übernähme die Kosten. Auch wenn es sich wie ein Traum anhörte, die Spedition kam, und die Brettener Nähmaschinen erreichten die Schule in Kamerun. |
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15 Aufsicht beim Schülerball. Gegen Mitternacht fliegt eine Weinflasche von irgendwoher heran, zerbricht, die Scherben zerstreuen sich auf dem Boden: Ich bitte umstehende Schüler, dabei mitzuhelfen, die Scherben schnell aufzusammeln, bevor sich jemand daran verletzen könnte. Reaktion: "Warum wir? Wir haben die Flasche nicht geworfen!" ich sammele allein die Scherben auf. Zu spät, ein Schüler tritt in eine Scherbe, blutet am Fuß... Krankenhaus ...Frust.... |
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16 Besuch im Wiener UNO-Gebäude. Die Schüler sind informiert, natürlich keine Waffen, überhaupt nichts Scharfes, wir werden gründlich untersucht. Beim Personencheck wird ein Schüler aufgehalten: Man findet ein großes Klappmesser in seiner Tasche.... |
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17 Schülerarbeiten aus meinem Unterricht oder aus den von mir geleiteten Arbeitsgemeinschaften haben wir schon in den 1970/80er Jahren zu Ausstellungen aufgearbeitet und im Foyer präsentiert, z. B. "Wirtschaft in der Region Bretten", "Bodenuntersuchungen in Diedelsheim", "Die Kaufkraft in der Brettener Kernstadt", "Wettermessungen und Klima am Melanchthongymnasium Bretten" oder "Longjumeau- Brettens neue Partnerstadt". Urteil eines Kollegen im besten Lehreralter über meine damals noch ungewöhnliche, öffentlichkeitswirksame Aktivität (regelmäßig auch mit einem Bericht in den Brettener Nachrichten): "Der hat doch eine Profilneurose!" |
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18 "Zeitung in der Schule": Wir haben den Auftrag, eine Seite der "Frankfurter Rundschau" zum Thema "Hochbegabte" zu füllen. Bei der Planung wird angeregt, auch die Spitzensportlerin Heike Drechsler zu interviewen, die in Karlsruhe lebt. Eine Schülergruppe übernimmt den Auftrag dazu. Ich sage Unterstützung zu, rufe bei Drechslers an, werde an die Managerin verwiesen: Frau Drechsler habe keine Zeit, vielleicht in einem halben Jahr, ich solle mich wieder melden. Ich versuche es über den Sportverein. Sie haben keine Möglichkeit, auf Frau Drechsler Einfluss zu nehmen, das mache die Managerin. Andere zunächst vielversprechende Ansprechpartner antworten ähnlich. Im Unterricht berichte ich. In der nächsten Projektstunde berichtet die Arbeitsgruppe Drechsler, das Gespräch sei vereinbart worden und man treffe sich morgen in einem Karlsruher Café. Ich bin sprachlos. "Wie habt ihr das geschafft??" Die Antwort ist einleuchtend: Etwas neben der Wahrheit hatte sich der Schüler der Managerin gegenüber als Journalist ausgegeben, der einen Bericht über Heike Drechsler zu schreiben beabsichtige - und dann ging alles wie geschmiert... |
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19 Schüleraustausch in Warschau. Ein Schüler erkrankt an Lungenentzündung. Der Arzt weist auf die Alternativen: Entweder ins Krankenhaus in Warschau oder sofort nach Hause, er könne den Patienten medikamentös für die Reise fit machen. Die Eltern sind mit dem Rückflug mit der nächsten Maschine einverstanden. Aber es ist Sonntag, kein Reisebüro geöffnet. Ich rufe bei Lufthansa in Warschau an, niemand meldet sich. Ich finde die Nummer von Lufthansa im Flughafen Warschau, schildere meinen dringenden Wunsch nach einem Ticket für den folgenden Tag, erfahre: Unmöglich, ausgebucht, und außerdem ein Kranker??!! Die vier für den Austausch verantwortlichen Kollegen sind erst einmal ratlos. Da habe ich eine Idee. Ich lasse mich von der Warschauer Kollegin in das Hotel Bristol fahren, das beste Hotel in Warschau, gleich neben dem Präsidentenpalast. Ich gehe zur Rezeption. "Sprechen Sie Deutsch?" Natürlich. Ich schildere meinen Fall. Der Mann an der Rezeption macht nicht viele Worte, greift zum Telefon, ich sehe ihn eine Nummer wählen, sicherlich nicht die der Lufthansa, die kenne ich inzwischen. Er spricht polnisch. Dann: "Selbstverständlich. Es ist alles vorbereitet. Gehen Sie morgen zum Lufthansa-Büro im Flughafen. Dort liegt das Ticket bereit. Ich wünsche Ihnen alles Gute, es war mir eine Freude, gute Nacht." Am nächsten Tag fliegt der Schüler mit der ersten Maschine nach Stuttgart, wo ihn sein Vater abholt. |
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(wird fortgesetzt)
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