{"id":150,"date":"2013-07-15T10:00:06","date_gmt":"2013-07-15T08:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/?p=150"},"modified":"2026-02-10T14:59:54","modified_gmt":"2026-02-10T12:59:54","slug":"ein-lehrerleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schallhorn.com\/?p=150","title":{"rendered":"Ein Lehrerleben&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"padding-left: 30px; text-align: center;\" align=\"center\">\u00a0<\/h3>\n<h3 style=\"padding-left: 30px; text-align: center;\" align=\"center\"><em><span style=\"font-size: x-large;\"><a href=\"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/?attachment_id=23\" rel=\"attachment wp-att-23\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-23\" src=\"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/schuler.jpg\" alt=\"schuler\" width=\"289\" height=\"219\" \/><\/a><br \/><\/span><\/em><\/h3>\n<h3 style=\"padding-left: 30px; text-align: center;\" align=\"center\">\u00a0<\/h3>\n<h3 style=\"padding-left: 30px; text-align: center;\" align=\"center\"><em><span style=\"font-size: x-large;\">Miszellen<\/span><\/em><\/h3>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>1<\/strong><br \/>In den Pausen der Theatergruppen-Vorstellungen gab es eine Saftbar. Alkoholisches wurde nicht ausgeschenkt. Die Folge: Der Betrag, der f\u00fcr die Arbeit der Theatergruppe \u00fcbrig bleiben sollte, war immer gering.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>2<\/strong><br \/>Im Unterricht wies ich jedes Jahr auf Ereignisse hin, die die deutsche Nachkriegsgeschichte pr\u00e4gten:\u00a0 Im November zeigte ich einzelnen Klassen, in einigen Jahren mit Zustimmung der Schulleitung auch ganzen Jahrg\u00e4ngen eine filmische Dokumentation zum Fall der Berliner Mauer (&#8222;Ode an die Freiheit&#8220;). Ich erinnere mich an eine 5. Klasse: Ich war mir nicht sicher, wie sie das Dargestellte aufnehmen w\u00fcrde. Nach einer &#8211; nat\u00fcrlich: altersgem\u00e4\u00dfen &#8211; Einf\u00fchrung in die geschichtlichen Umst\u00e4nde startete der Film &#8211; und ich habe selten eine Klasse erlebt, die mit gleicher Aufmerksamkeit und derart gespanntem Interesse diesen Film verfolgte. Das Klingelzeichen h\u00f6rte niemand, und die Fortsetzung in der n\u00e4chsten Stunde wurde erbettelt. Gerne doch!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>3<\/strong><br \/>Rauchen und Alkohol waren auf Klassenreisen mit mir verp\u00f6nt. Eine Klasse hatte einmal sogar eine Vereinbarung schriftlich formuliert, w\u00e4hrend der Klassenfahrt nicht zu rauchen. Die kam allerdings ins Wanken, als die mitreisende Kollegin abends vor der Jugendherberge auf ihre Zigarette nicht verzichten konnte. Was das Alkoholverbot betrifft, so hatte ich angesichts der lokalen Gewohnheiten immer einen schweren Stand&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>4<\/strong><br \/>Zu den Themen Rauchen, Alkohol und andere Drogen\u00a0 organisierte ich mit der Drogenberatung und der \u00f6rtlichen Polizei\u00a0 in Mittelstufenklassen einen &#8222;p\u00e4dagogischen Tag&#8220;. Nicht ganz beabsichtigt war dabei allerdings, dass die Sch\u00fcler anschlie\u00dfend genauestens \u00fcber die verschiedenen Rauschmittel informiert waren. Ich erfuhr zus\u00e4tzlich, dass sich Kaufm\u00f6glichkeiten sehr schnell herumsprachen&#8230; Eine gut gemeinte Aktion des Lehrers, die irgendwie nach hinten losging.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>5<\/strong><br \/>Im Deutschunterricht war die Lekt\u00fcre von Werken Bertolt Brechts ein f\u00fcr die Sch\u00fcler zun\u00e4chst nicht immer begeisterungsf\u00f6rdernder Pflichtbestandteil, oft verbunden mit einem Theaterbesuch.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>6<\/strong><br \/>In den 1970\/80er Jahren habe ich Sch\u00fclertheaterveranstaltungen organisiert. Als immer mehr Sch\u00fcler die Auff\u00fchrungen vormittags lieber schw\u00e4nzten oder \u00fcber den Knopf im Ohr ihre Lieblingsmusik w\u00e4hrend der Vorstellung h\u00f6rten, gab ich diese Aktivit\u00e4t auf.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>7<\/strong><br \/>Besonderen Zuspruch erhielten w\u00e4hrend vieler Jahre die kurz aufeinander folgenden Besuche von zwei Inszenierungen desgleichen Schauspiels. Deutlich erinnere ich mich an die lebhaften Diskussion mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern nach dem Besuch der diametral entgegengesetzten Inszenierungen\u00a0 von Goethes &#8222;Iphigenie auf Tauris&#8220; in den Schauspielh\u00e4usern von Baden-Baden und Stuttgart.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>8<\/strong><br \/>Gro\u00dfe Bedeutung hatten immer sch\u00fcler- und handlungsorientierte Unterrichtseinheiten, die ich gerne in Form von Arbeitsgemeinschaften oder Exkursionen und als Gel\u00e4ndeg\u00e4nge durchf\u00fchrte. Eindrucksvoll waren die Untersuchungen der sommerlichen Temperaturverh\u00e4ltnisse in Bretten (mit Infrarot-Scanner Befliegung des Stadtgebietes durch D\u00fcsenj\u00e4ger der Bundeswehr-Luftwaffe), die Kartierungen zur Agrarstruktur in Diedelsheim, die Nutzungs- und Attraktivit\u00e4tskartierungen der Brettener Innenstadt, die Messungen zur Luftqualit\u00e4t im Umfeld unserer Schule oder auch das Projekt mit den Teilnehmern am deutsch-polnischen Sch\u00fcleraustausch in Danzig &#8222;Auf den Spuren von G\u00fcnther Grass&#8220;.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>9<\/strong><br \/>Nicht immer ging alles glatt: Bei dem Versuch, ein Bodenprofil zu erarbeiten, musste das untere, einen Meter lange Teilst\u00fcck des Erdbohrers im Boden bleiben &#8211; wir schafften es nicht mehr, ihn hinauszuziehen. Wir h\u00e4tten einen Krater graben m\u00fcssen. Der Bohrer steckt noch heute tief unten im Boden &#8211; nur wenige wissen, wo. Oder: W\u00e4hrend einer \u00dcbung zum Vermessen mit dem Theodoliten bekamen wir die weit entfernte Jugendherberge ins Okular &#8211; und sahen einen Mann, der aufmerksam in mein Zimmer im Erdgeschoss schaute. Kommentar eines Sch\u00fclers: &#8222;Der sucht in Schallhorns Zimmer nach Pornos!&#8220; &#8230;..<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>10<\/strong><br \/>W\u00e4hrend einer Wanderung mit einer 6. Klasse auf die Teufelsm\u00fchle erkl\u00e4rten die Sch\u00fcler, in den n\u00e4chsten Sekunden unweigerlich vor Ersch\u00f6pfung sterben zu m\u00fcssen und keinen Schritt mehr tun\u00a0 zu k\u00f6nnen. Als dennoch alle oben waren, packte schon einer einen Fu\u00dfball aus, und alle tobten weitab von einem Ersch\u00f6pfungstod dem Ball hinterher, lebendig wie selten. Wenn wir uns sp\u00e4ter sahen, hie\u00df es immer sehr schnell: Wei\u00dft du noch, damals auf der Teufelsm\u00fchle&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>11<\/strong><br \/>Eine andere Wanderung: An einer Weggabelung wurde die topographische Karte studiert. Ich hielt den einen Weg f\u00fcr richtig, die Sch\u00fcler den anderen. Da der Nachmittag schon dem Ende zuging, erkl\u00e4rte ich den Sch\u00fclern schlie\u00dflich, dass ich doch eigentlich Kartenlesen k\u00f6nne, ich sei doch Geograph, und jetzt sollten sie mir doch bitte ohne Widerrede folgen. Als nach einer Wegstunde das Ziel weiter denn je schien und die Abendd\u00e4mmerung zu erahnen war, musste ich meine Fehlinterpretation der Wegstrecke eingestehen. Ich wies die Sch\u00fcler an, an Ort und Stelle stehen zu bleiben und zu verharren, bis ich wieder erscheinen w\u00fcrde. Dann lief ich schnellen Schrittes querfeld- und -waldein davon, erreichte auch bald einen Ort mit Telefon (Handys gab es damals noch nicht), organisierte einen Bus und brachte &#8211; etwas kleinlaut &#8211; alle rechtzeitig zum Abendessen in die Jugendherberge..<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>12<\/strong><br \/>Klassenfahrt nach Lutherstadt Wittenberg. Das Reichstagsgeb\u00e4ude in Berlin war von Christo verpackt. Schlie\u00dflich hielten wir es nicht mehr aus, wir beschlossen kurzfristig und spontan den Ausflug ins nicht weit entfernte Berlin. Wundersch\u00f6n, unvergesslich. Wir hatten von der Reiseauskunft die Abfahrzeiten des letzten Zuges zur\u00fcck nach Lu.-Wittenberg erfahren, den wir dann auch nehmen wollten. Aber die passende S-Bahn-Fahrt endete j\u00e4h: Infolge von Gleisbauarbeiten ersetzte ein Busverkehr einen Teil der S-Bahn-Fahrt &#8211; der letzte Zug nach Wittenberg war nicht mehr zu erreichen. Schlie\u00dflich standen wir nachts auf dem Bahnhof in J\u00fcterbog, unserem vermeintlichen Nachtquartier. Da entdeckte jemand eine &#8222;Spielh\u00f6lle&#8220; in Bahnhofsn\u00e4he, entsprechend der Nachtzeit weitgehend ohne G\u00e4ste. Ich bat den Besitzer um &#8222;Obdach&#8220; bis zum ersten Zug am n\u00e4chsten Morgen. Die R\u00fccksprache mit der Polizei ergab: Sperrstunde aufgehoben, wir konnten bleiben. Die einen spielten Billard, die anderen schliefen auf zusammen gestellten St\u00fchlen &#8211; eine unvergessliche Erinnerung wurde es allemal. Am n\u00e4chsten Morgen trafen wir todm\u00fcde in der Jugendherberge in Wittenberg ein. Ein Vater hatte uns f\u00fcr diesen Tag als Besonderheit einen Ausflug in die Umgebung geschenkt. Der Bus kam p\u00fcnktlich, der Busfahrer hatte auf Gehei\u00df des spendenden Vaters Proviant f\u00fcr eine ganze Klasse und einen ganzen Tag an Bord &#8211; aber\u00a0 es erschienen nur vielleicht zehn Sch\u00fcler, die anderen waren im Schlaf versunken&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>13<\/strong><br \/>Fahrt der Theatergruppe nach Warschau. Wir mussten alles von Bretten aus organisieren, auch das B\u00fchnenbild. An eine Fahrt mit der Deutschen Bahn war angesichts des Gep\u00e4cks nicht zu denken. Also mieteten wir mithilfe der Warschauer Freunde einen Bus, der uns aus Warschau in Bretten abholte. Da wir auch die Kulissen mitnehmen mussten, fertigten wir sie so, dass sie gro\u00df genug f\u00fcr die B\u00fchne, aber klein genug f\u00fcr den Transport waren. Wir waren stolz darauf, alles fristgerecht fertig gestellt zu haben. Die neuen Kulissen waren wirklich sch\u00f6n geworden, glatt, gerade, haltbar, standfest. Der Bus kam, die hilfsbereiten polnischen Busfahrer montierten die vordersten Sitze aus, um die Kulissenteile in den Bus schieben zu k\u00f6nnen. Die Auff\u00fchrung war eindrucksvoll, der Aufenthalt in Warschau f\u00fcr alle erlebnisreich. Auf der R\u00fcckfahrt, in H\u00f6he von Dresden, auf der Autobahn: Der Bus rollt antriebslos auf dem Randstreifen aus, der Motor hatte sich zerlegt. Unter dem Bus eine gro\u00dfe \u00d6llache. Ein Abschleppwagen zog den Bus zum n\u00e4chsten Parkplatz, wo wir ihn komplett ausladen mussten. Es war Sonntag &#8211; woher jetzt einen Ersatzbus bekommen? Gl\u00fccklicherweise hatte der Fahrer eines hinter uns fahrenden Busses angeboten, seinen Chef zu bitten, uns einen Ersatzbus zu schicken. Wir nahmen dankbar an. Nach drei Stunden kam der Bus, es war inzwischen dunkel geworden. Als wir einladen wollten, weigerten sich die Fahrer, die Kulissen in den Bus zu laden, das sei verboten. In die Lader\u00e4ume passten sie nicht hinein. So blieb nur eines: Man sah im fahlen Licht der Laternen eine Anzahl junger Leute Stoff zerrei\u00dfen und Latten zerbrechen: Die gro\u00dfen Kulissenteile mussten auf die passende Gr\u00f6\u00dfe gebracht werden, damit sie in die Papierk\u00f6rbe passten. Uns blutete das Herz.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>14<\/strong><br \/>Eine Zeitlang in den 1980er Jahren hatte ich mit Sch\u00fclern einer Arbeitsgemeinschaft Briefkontakt zu einer Kameruner Schule. W\u00e4hrend dieser Zeit r\u00e4umten wir den Dachboden im Altbau aus. Es kamen zehn gro\u00dfe, sch\u00f6ne N\u00e4hmaschinen aus der Zeit des Handarbeitsunterrichts zum Vorschein, die weggeworfen werden sollten. Ich hatte eine andere Idee: Ich lie\u00df sie instandsetzen oder reparierte, was ich selbst konnte. Dann ging ich mit den Sch\u00fclern, die an dem Briefkontakt teilnahmen, auf Sponsorensuche in Bretten: Wir wollten die N\u00e4hmaschinen nach Kamerun\u00a0 expedieren. Leider hatten wir keinen Erfolg. Als Bundeskanzler Kohl in dieser Zeit einen Staatsbesuch in Kamerun beabsichtigte, rief ich im Kanzleramt an, ob er die N\u00e4hmaschinen f\u00fcr unsere Briefpartnerschule nicht mitnehmen wolle und k\u00f6nne. Ja, man werde sich melden. Dann geschah lange nichts. Eines Tages aber bekam ich die schriftliche Mitteilung, dass in wenigen Tagen eine Spedition die N\u00e4hmaschinen abholen und nach Kamerun verschicken w\u00fcrde &#8211; das Kanzleramt \u00fcbern\u00e4hme die Kosten. Auch wenn es sich wie ein Traum\u00a0 anh\u00f6rte, die Spedition kam, und die Brettener N\u00e4hmaschinen erreichten die Schule in Kamerun.<\/p>\n<p><strong>15<\/strong><br \/>Aufsicht beim Sch\u00fclerball. Gegen Mitternacht fliegt eine Weinflasche von irgendwoher heran, zerbricht, die Scherben zerstreuen sich auf dem Boden: Ich bitte umstehende Sch\u00fcler, dabei mitzuhelfen, die Scherben schnell aufzusammeln, bevor sich jemand daran verletzen k\u00f6nnte.\u00a0 Reaktion: &#8222;Warum wir? Wir haben die Flasche nicht geworfen!&#8220; ich sammele allein die Scherben auf. Zu sp\u00e4t, ein Sch\u00fcler tritt in eine Scherbe, blutet am Fu\u00df&#8230; Krankenhaus &#8230;Frust&#8230;.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>16<\/strong><br \/>Besuch im Wiener UNO-Geb\u00e4ude. Die Sch\u00fcler sind informiert, nat\u00fcrlich keine Waffen, \u00fcberhaupt nichts Scharfes, wir werden gr\u00fcndlich untersucht. Beim Personencheck wird ein Sch\u00fcler aufgehalten: Man findet ein gro\u00dfes Klappmesser in seiner Tasche&#8230;.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>17<\/strong><br \/>Sch\u00fclerarbeiten aus meinem Unterricht oder aus den von mir geleiteten Arbeitsgemeinschaften haben wir schon in den 1970\/80er Jahren zu Ausstellungen aufgearbeitet und im Foyer pr\u00e4sentiert, z. B. &#8222;Wirtschaft in der Region Bretten&#8220;, &#8222;Bodenuntersuchungen in Diedelsheim&#8220;, &#8222;Die Kaufkraft in der Brettener Kernstadt&#8220;, &#8222;Wettermessungen und Klima am Melanchthongymnasium Bretten&#8220; oder &#8222;Longjumeau- Brettens neue Partnerstadt&#8220;. Urteil eines Kollegen im besten Lehreralter \u00fcber meine damals noch\u00a0 ungew\u00f6hnliche, \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4t (regelm\u00e4\u00dfig auch mit einem Bericht in den Brettener Nachrichten): &#8222;Der hat doch eine Profilneurose!&#8220;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>18<\/strong><br \/>&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;: Wir haben den Auftrag, eine Seite der &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220; zum Thema &#8222;Hochbegabte&#8220; zu f\u00fcllen. Bei der Planung wird angeregt, auch die Spitzensportlerin Heike Drechsler zu interviewen, die in Karlsruhe lebt. Eine Sch\u00fclergruppe \u00fcbernimmt den Auftrag dazu. Ich sage Unterst\u00fctzung zu, rufe bei Drechslers an, werde an die Managerin verwiesen: Frau Drechsler habe keine Zeit, vielleicht in einem halben Jahr, ich solle mich wieder melden. Ich versuche es \u00fcber den Sportverein. Sie haben keine M\u00f6glichkeit, auf Frau Drechsler Einfluss zu nehmen, das mache die Managerin. Andere zun\u00e4chst vielversprechende Ansprechpartner antworten \u00e4hnlich. Im Unterricht berichte ich. In der n\u00e4chsten Projektstunde berichtet die Arbeitsgruppe Drechsler, das Gespr\u00e4ch sei vereinbart worden und man treffe sich morgen in einem Karlsruher Caf\u00e9. Ich bin sprachlos. &#8222;Wie habt ihr das geschafft??&#8220; Die Antwort ist einleuchtend: Etwas neben der Wahrheit hatte sich der Sch\u00fcler der Managerin gegen\u00fcber als Journalist ausgegeben, der einen Bericht \u00fcber Heike Drechsler zu schreiben beabsichtige &#8211; und dann ging alles wie geschmiert&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>19<\/strong><br \/>Sch\u00fcleraustausch in Warschau. Ein Sch\u00fcler erkrankt an Lungenentz\u00fcndung. Der Arzt weist auf die Alternativen: Entweder ins Krankenhaus in Warschau oder sofort nach Hause, er k\u00f6nne den Patienten medikament\u00f6s f\u00fcr die Reise fit machen. Die Eltern sind mit dem R\u00fcckflug mit der n\u00e4chsten Maschine einverstanden. Aber es ist Sonntag, kein Reiseb\u00fcro ge\u00f6ffnet. Ich rufe bei Lufthansa in Warschau an, niemand meldet sich. Ich finde die Nummer von Lufthansa im Flughafen Warschau, schildere meinen dringenden Wunsch nach einem Ticket f\u00fcr den folgenden Tag, erfahre: Unm\u00f6glich, ausgebucht, und au\u00dferdem ein Kranker??!! Die vier f\u00fcr den Austausch verantwortlichen Kollegen sind erst einmal ratlos. Da habe ich eine Idee. Ich lasse mich von der Warschauer Kollegin in das Hotel Bristol fahren, das beste Hotel in Warschau, gleich neben dem Pr\u00e4sidentenpalast. Ich gehe zur Rezeption. &#8222;Sprechen Sie Deutsch?&#8220; Nat\u00fcrlich, das Hotel hat ja f\u00fcnf Sterne und noch ein bisschen mehr. Ich schildere meinen Fall. Der Mann an der Rezeption macht nicht viele Worte, greift zum Telefon, ich sehe ihn eine Nummer w\u00e4hlen, sicherlich nicht die der Lufthansa, die kenne ich inzwischen. Er spricht polnisch. Dann: &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich. Es ist alles vorbereitet. Gehen Sie morgen zum Lufthansa-B\u00fcro im Flughafen. Dort liegt das Ticket bereit. Ich w\u00fcnsche Ihnen alles Gute, es war mir eine Freude, gute Nacht.&#8220; Am n\u00e4chsten Tag fliegt der Sch\u00fcler mit der ersten Maschine nach Stuttgart, wo ihn sein Vater abholt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>20<\/strong><em><br \/>Im R\u00fcckspiegel: <\/em><strong>Das Abitur &#8211; eine heute \u00fcberholte Veranstaltung? <\/strong><a href=\"http:\/\/www.schallhorn.com\/Abitur.pdf\">Mehr&#8230; <\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>21<\/strong><br \/><a href=\"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/?attachment_id=203\" rel=\"attachment wp-att-203\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-203\" src=\"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/PILZ3-300x282.jpg\" alt=\"PILZ3\" width=\"386\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/PILZ3-300x282.jpg 300w, https:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/PILZ3-200x188.jpg 200w, https:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/PILZ3-1024x963.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 386px) 100vw, 386px\" \/><\/a><strong><br \/>P<\/strong>hantom<strong> I<\/strong>nformation zum <strong>l<\/strong>okalklimatischen <strong>Z<\/strong>ustand <em><strong>PILZ<\/strong><\/em>:<br \/>Klaus L. war Stabs-Offizier bei der Bundeswehr, zust\u00e4ndig f\u00fcr Kommunikation. Er wusste immer einen Ausweg. Eines Tages berichtete er mir: &#8222;Du, neulich konnte ich einem &#8218;h\u00f6heren Tier&#8216; einen gro\u00dfen Dienst erweisen. Jetzt hat er mich gefragt, ob er sich nicht revanchieren k\u00f6nne. Wenn ich einen Wunsch h\u00e4tte &#8230; hast du nicht einen?&#8220; Ich \u00fcberlegte kurz. Klimatologie war eines meiner\u00a0 Lieblingsthemen. Ich antwortete: &#8222;Ja, ich habe eine Idee. Aber das geht wahrscheinlich doch nicht. Ich m\u00f6chte eine Thermalscanner-Befliegung von Bretten. Dann k\u00f6nnten wir tolle Aussagen \u00fcber das Stadtklima von Bretten machen.&#8220; Und ich erz\u00e4hlte ihm, was dahinter steckte, vor allem viel Technik, und im Mittelpunkt Phantom-Aufkl\u00e4rungs-D\u00fcsenj\u00e4ger der Bundeswehr. Es war eine l\u00e4ngere Geschichte. Er staunte. Doch, das sei eine gute Idee, mal sehen&#8230; Einige Tage sp\u00e4ter telefonierte er: &#8222;Du, ich habe das O.K. Plane alles und sag dann Bescheid.&#8220; Ich war platt. Meine 9. Klasse war schnell zu begeistern. Wir mussten w\u00e4hrend 24 Stunden an verschiedenen Orten im Stadtgebiet Messstellen zur Kontrolle einrichten und dort dann kontinuierlich die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit feststellen. Woher die Instrumente nehmen? Ich wandte mich an das Institut f\u00fcr Meteorologie der Universit\u00e4t Karlsruhe. Sie staunten. Die ganze Klasse wurde zu einem Besuch eingeladen, damit die Sch\u00fcler\/innen in den Gebrauch der Ger\u00e4te eingewiesen werden konnten. Man sagte zu, die erforderlichen Ger\u00e4te auszuleihen und sogar einen Messwagen zu schicken, der w\u00e4hrend der Messdauer in kurzen Abst\u00e4nden Temperaturmessfahrten im Stadtgebiet durchf\u00fchren sollte. Alles lief bestens. Im Geographieunterricht planten wir die Standorte der Messstationen. Wir besuchten das Geschwader &#8222;Immelmann&#8220;\u00a0 in Bremgarten bei Freiburg i.B., zu dem die D\u00fcsenj\u00e4ger geh\u00f6rten, die die Befliegung durchf\u00fchren sollten.\u00a0 Wir brauchten noch ein &#8222;Hauptquartier&#8220;. Das fand sich auf der Wiese eines befreundeten Bauern. Ich gab Klaus Bescheid: &#8222;Alles vorbereitet, es kann losgehen!&#8220; Als das Wetter stimmte &#8211; es musste eine strahlungsreiche Hochsommerwitterung herrschen &#8211; kam der Vorbescheid: &#8222;N\u00e4chste Wochen wird geflogen!&#8220; Das Fernsehen wurde informiert. Man sagte zu, ein Kamerateam zu schicken, das einen Bericht f\u00fcr die Abendschau aufnehmen solle. Die Bev\u00f6lkerung wurde in der Presse \u00fcber die Befliegungen informiert; immerhin mussten die Phantom-D\u00fcsenj\u00e4ger morgens, mittags und abends mehrmals \u00fcber die Stadt im Tiefflug fliegen. Alles lief planm\u00e4\u00dfig &#8211; und dann sahen wir am fr\u00fchen Morgen von unserem Hauptquartier aus tats\u00e4chlich die D\u00fcsenj\u00e4ger heranfliegen, erst als Punkte, dann immer gr\u00f6\u00dfer, lauter werdend&#8230; und weg. Die Bundeswehr rief an: &#8222;Alles planm\u00e4\u00dfig, die Bilder sind im Kasten. Mittags fliegen wir wieder.&#8220; Tats\u00e4chlich, und auch am Abend flogen die D\u00fcsenj\u00e4ger \u00fcber Bretten hinweg&#8230; bis die Nachricht kam, dass die Mittagsbilder nichts geworden sind und am Abend erst gar keine mehr gemacht wurden, der Flug aber trotzdem &#8222;als \u00dcbung&#8220; durchgef\u00fchrt worden sei\u00a0 &#8230; man m\u00fcsse die Befliegung wiederholen. Das geschah zwei Wochen sp\u00e4ter, aber ohne Sch\u00fcler, die inzwischen in den gro\u00dfen Ferien waren, und ohne Messstationen am Boden&#8230; Die Klasse hatte dann noch einige Arbeit mit dem Aufarbeiten der Ergebnisse. Sie wurden im Foyer des Rathauses ausgestellt. Beim Peter und Paul-Fest im folgenden Jahr besuchten uns die verantwortlichen Offiziere und \u00fcbergaben als Erinnerung das Bild einer senkrecht in den Himmel &#8222;schie\u00dfenden&#8220; Phantom. Lange hing es im Geographieraum der Schule \u00fcber der Tafel&#8230;.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>22<\/strong><br \/>Nochmal PILZ: Um ein brauchbars Ergebnis zu erhalten, mussten die Sch\u00fcler\/innen an f\u00fcnf Messstationen 24 Stunden lang die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windst\u00e4rke und -richtung messen. Die Messungen begannen am Vortag der Befliegung um 18 Uhr. Gegen 5 Uhr am Morgen meldete sich mein Sprechfunkger\u00e4t (die Feuerwehr hatte uns die Ger\u00e4te geliehen): Die M\u00e4dchen der Station im Sprantaler Tal teilten mit, es n\u00e4here sich eine Person, ein Mann, sie h\u00e4tten Angst, ich solle kommen. Ich raste zur Station. Die M\u00e4dchen waren noch in Aufregung, aber der Mann war wieder weg, er sei auch gar nicht ganz herangekommen. Wir vermuteten Schlimmes. Ich meldete den Vorfall bei der Polizei. Ja, danke, man werde dem nachgehen. Wenig sp\u00e4ter rief der Polizist an. Der Verd\u00e4chtige war der Zeitungsaustr\u00e4ger gewesen, der auf dem Weg nach Sprantal die eigent\u00fcmliche Station bemerkt hatte und doch mal nachsehen wollte, was da vor sich ging&#8230;.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>23<\/strong><br \/>Es war ganz am Anfang meiner Lehrerzeit, am Lessing-Gymnasium in Karlsruhe, damals (immer) noch reine M\u00e4dchenschule. Ich hatte die Sch\u00fclerinnen einer 7. Klasse dazu \u00fcberredet, ein Theaterst\u00fcck einzustudieren. Nach kurzer Zeit hatten alle Feuer gefangen, und keine wollte abseits stehen. Die Proben liefen z\u00fcgig. Kurz vor der Premiere fuhr ich an einem Sonntagvormittag noch einmal in die Schule, um in Ruhe die Kulissen zu richten. Mitten in der Arbeit klapperten T\u00fcren, meine Sch\u00fclerinnen kamen auf die B\u00fchne: &#8222;Ja, wo kommt ihr denn am heiligen Sonntag her? Ist die Schule nicht abgeschlossen?&#8220; Nach kurzem verdutzten Erstaunen erkl\u00e4rten sich die Sch\u00fclerinnen: Eine von ihnen hatte vor der Schule mein Auto gesehen, die anderen alarmiert und alle seien schnell gekommen, weil sie dachten, es sei Probe und sie h\u00e4tten es vergessen&#8230;.\u00a0 ein Fenster habe offen gestanden, und sie seien da eingestiegen&#8230; Was blieb mir \u00fcbrig, als mit den begeisterten Schauspielerinnen eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Probe abzuhalten&#8230;<!-- [if gte mso 9]><xml>\n<o:OfficeDocumentSettings>\n<o:AllowPNG\/>\n<\/o:OfficeDocumentSettings>\n<\/xml><![endif]--><\/p>\n<p><strong>23a<\/strong><br \/>Lange habe ich hier nichts mehr eingetragen, obwohl immer wieder Erinnerungen in den Pension\u00e4rsalltag einbrechen, die es wahrlich wert sind, hier wiedergegeben zu werden. Heute (6. August 2021) erreicht mich die Mail einer Sch\u00fclerin der Klasse in Punkt 23, die \u00dcberraschung wie die eigene R\u00fchrung (Verzeihung, dass ich das hier so offen schreibe) k\u00f6nnten nicht gr\u00f6\u00dfer sein:<br \/><em>&#8222;Lieber Herr Schallhorn,<\/em><br \/><em>zuf\u00e4llig stolperte ich im www \u00fcber Ihre Reiseberichte und wollte mich spontan melden. Ich war von 1968 -1977 Sch\u00fclerin am Lessing-Gymnasium in Karlsruhe. In der Quinta oder Quarta f\u00fchrten wir unter Ihrer Leitung Oscar Wildes &#8222;Das Gespenst von Canterville&#8220; auf. Ich hatte als gr\u00f6\u00dfte in der Klasse die Rolle des amerikanischen Botschafters und identifizierte mich ein bisschen zu stark mit der Rolle&#8230;. Wir fanden Sie alle toll. Ein Lehrer, der g\u00e4nzlich anders war, als die restliche Feuerzangen-Truppe von Lehrern an der Schule. Wir misteten gemeinsam den Kartenraum aus und probten mit gro\u00dfem Eifer. Sie waren, glaube ich, als Referendar an unserer Schule. N\u00e4chstes Jahr treffen wir uns zu 45 Jahren Abi. Tempus fugit.<\/em><br \/><em>Herzlichen Dank f\u00fcr alles, was Sie in uns mobilisiert haben und alles Gute<\/em><br \/><em>B. D.<\/em><\/p>\n<p><strong>24<\/strong><br \/>Den Versuch, in der zweiten morgendlichen Unterrichtsstunde einer m\u00fcden 11. Klasse einen geographischen Inhalt durch immer wieder neue methodische Kunstgriffe nahezubringen, breche ich dann doch ab und schreite zu einer Diskussion \u00fcber die Gr\u00fcnde der morgendlichen Lethargie. Erst einmal sprachlos bin ich, als eine Sch\u00fclerin mitteilt: \u201eDer Lehrer in der ersten Stunde kam rein und sagte gleich, wir seien jetzt wohl zu m\u00fcde f\u00fcr den Unterricht. Er allerdings auch, und er hoffe, dass dieser Tag schnell zu Ende gehe. Im \u00fcbrigen freue er sich, dass bald wieder Ferien sind. Und da verlangen Sie von uns, dass wir uns mit dem Thema aufmerksam besch\u00e4ftigen?\u201c<\/p>\n<p><strong>25<\/strong><br \/>Nachdem sich die SMV nicht dazu in der Lage gesehen hatte, zu der anl\u00e4sslich des Valentinstages mitten im Winter\u00a0 vorgesehenen Rosen-Verschenk-Aktion Blumen zu organisieren, die ihren g\u00fcnstigen Einkaufspreis nicht der \u00f6kologisch und sozial sch\u00e4dlichen\u00a0 Produktion in einem tropischen Land verdanken, schlug der Geographielehrer &#8211; ich &#8211; seinen Siebtkl\u00e4sslern vor, doch wenigstens in einer Ausstellung auf die Problematik hinzuweisen. Sie lehnten protestierend ab: \u201eSie wollen uns auch alles kaputt machen!\u201c<\/p>\n<p><strong>26<\/strong><br \/>Exkursion mit dem Leistungskurs Geographie ins Ruhrgebiet. Da der Kurs klein war, fuhren wir mit einem VW-Bus und einem ger\u00e4umigen Privatwagen, den ein Vater zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Die Kommunikation untereinaner erfolgte w\u00e4hrend der Fahrt mit Walkie-Talkies. An einer Ausfahrt von der Autobahn verhinderte ein dicker LKW, dass der Privatwagen auf die Ausfahrtspur einf\u00e4deln konnte:\u00a0 Er fuhr geradeaus, wir fuhren ab. Schnelle Verst\u00e4ndigung per Funk: Weiterfahren bis zur n\u00e4chsten Ausfahrt, dann zur\u00fcck, wieder Kontakt mit uns aufnehmen. Gesagt, getan. Nach einiger Zeit meldeten sich die Sch\u00fcler aus ihrem Auto. Ich lotste sie anhand der topographischen Karte per Funk zum Treffpunkt. Aber es geschah nichts. &#8222;Wo seid ihr?&#8220; &#8222;Wir stehen hier an einem Waldweg. Aber der Waldweg ist f\u00fcr Fahrzeuge aller Art gesperrt. Ich kann nicht weiter. Ich habe den F\u00fchrerschein ganz frisch, und wenn ich erwischt werde&#8230;&#8220; Da half nur eines: &#8222;Ich verspreche dir, wenn du erwischt wirst, dann gehe ich f\u00fcr dich ins Gef\u00e4ngnis. Bitte kommt jetzt!&#8220; funkte ich. Ein paar Minuten sp\u00e4ter sahen wir den Wagen auf dem Waldweg heranfahren. Am Steuer eine genervte Fahrerin. Ich brauchte nicht ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><strong>27<\/strong><br \/>Ein Sch\u00fcler des Deutschkurses, der &#8211; insgesamt ganz pfiffig, aber den Unterrichtsinhalten eher reserviert gegen\u00fcber &#8211; schreibt in einer Klausur f\u00fcr alle \u00fcberraschend, aber erfreulich &#8222;12 NP&#8220;. Zur n\u00e4chsten Unterrichtsstunde erscheint er reichlich versp\u00e4tet. Er \u00fcbergibt mir eine handgeschriebene Entschuldigung: &#8222;Sehr geehrter Herr Dr. Schallhorn. Aus mir unerfindlichen Gr\u00fcnden habe ich heute t\u00f6dlich verschlafen! Ich wei\u00df nicht, welcher D\u00e4mon mich zur\u00fcck in die Federn dr\u00fcckte, aber es tut mir leid, vor allem, da ich, wie Sie ja wissen, Ihren Unterricht st\u00e4ndig mehr zu sch\u00e4tzen wei\u00df. Ich gelobe Besserung und m\u00f6chte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, ich w\u00fcrde mich auf meinen 12 Punkten ausruhen. Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen Y.K.&#8220; Ich erinnere mich leider nicht mehr, ob die gelobte &#8222;Besserung&#8220; realisiert wurde.<em> (Anmerkung zu den &#8222;12 NP&#8220;: Y.K. widersprach es nat\u00fcrlich, wie alle anderen die &#8222;Erl\u00e4uterungen zu&#8230;&#8220; zu lesen und brav in der Arbeit niederzuschreiben, was er da an Wahrheiten gefunden hatte. Stattdessen machte er sich mutig eigene Gedanken und legte sie mir in seiner Arbeit vor. Der Protest der Mitsch\u00fcler lie\u00df nicht lange auf sich warten: &#8222;Das steht doch gar nicht in den &#8222;Erl\u00e4uterungen&#8230;&#8220;!&#8220;)<\/em><\/p>\n<p><strong>28a<\/strong><br \/>Es ist das Jahr 2000.\u00a0 Der Sch\u00fcleraustausch mit dem Frycz-Modrzewski-Liceum in Warschau wird dieses Jahr von der Theatergruppe \u00fcbernommen &#8211; wir wollen in Warschau unsere Inszenierung von &#8222;Andorra&#8220; von Max Frisch spielen. Der deutsche Zoll erscheint mit drei Beamten in der Schulaula, inspiziert alles, was wir mitnehmen m\u00fcssen. Alles bekommt eine zollamtliche Nummer, ich eine umfangreiche Zollbescheinigung, alles hat seine Ordnung. Schlie\u00dflich ist der Bus gepackt, Requisiten, Technik, Kost\u00fcme, diverse Koffer mit Kleinzeug, alles drin, und die Fahrt mit dem Bus geht los. An der (damals noch bestehenden) Grenzanlage hochnotpeinliche Befragung und Untersuchung. Die zollamtliche Bescheinigung wird gepr\u00fcft, die Vollst\u00e4ndigkeit der mitgenommenen Gegenst\u00e4nde best\u00e4tigt. Aber ohne Einladung keine Weiterfahrt. R\u00fcckruf in der Warschauer Schule: Hier ist eine deutsche Sch\u00fclergruppe, die will zu Ihnen zum Theaterspiel&#8230; Aber alles hat seine Ordnung, der Schlagbaum geht hoch, wir fahren in Polen ein. Noch einige Stunden Fahrtzeit\u00a0 bis Warschau. Es ist kurz vor Mitternacht am Warschauer Stadtrand. Die Spannung steigt: Wie wird die Familie meines Austauschsch\u00fclers sein? Sie warten jetzt alle vor der Schule, noch eine halbe Stunde .. da kracht es hinten links. Ein Blaulicht, der Fahrer bremst. Ein Polizeiwagen ist dem Bus ins Heck gefahren &#8211; Beulen an beiden Fahrzeugen. Die Polizisten sprechen kein Deutsch, der Fahrer kein Polnisch. Aufregung. Ich rufe meine Kollegin an, sie kommt zum Ort des Geschehens, spricht mit den Polizisten. Sie behaupten, unser Fahrer habe Schuld, der f\u00fchlt sich v\u00f6llig schuldlos. Nach Beendigung des Palavers ist es 1.30 Uhr, und die Eltern warten immer noch vor der Schule.\u00a0 Aber wir d\u00fcrfen fahren, der Fahrer soll sich am Tag bei der Polizei melden&#8230; und das bleibt seine Hauptbesch\u00e4ftigung w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes in Warschau. Mit Hilfe einer polnischen Lehrerin einigt man sich schlie\u00dflich nach einigen Tagen Verhandlung, dass den Fahrer keine Schuld trifft: Die Polizisten hatten den Unfall inszeniert, damit eine andere Beule, die sie in ihr Ensatzfahrzeug gefahren hatten, nicht auff\u00e4llt&#8230; Die Theaterauff\u00fchrung war ein gro\u00dfer Erfolg, sogar die Warschauer Tagespresse berichtete.<\/p>\n<p><strong>28b<\/strong><br \/>Alles hat ein Ende, auch ein Sch\u00fcleraustausch in Warschau. Alle sind zufrieden, die Auff\u00fchrung wird gelobt, man freut sich auf ein Wiedersehen in Bretten. Der Fahrer bekommt noch einige Instruktionen, wie er sich verhalten soll, wenn wieder Polizisten behaupten, er habe etwas falsch gemacht und er solle Strafe zahlen, bar, selbstverst\u00e4ndlich, sofort, an sie. Es ist Abend, als der Bus sich Richtung Westen in Bewegung setzt. Nachts, in der Gegend von Breslau, bekommt die Mannschaft angesichts einiger Schnellrestaurants am Wegesrand Hunger. Ob man anhalten k\u00f6nne. Man kann. Gro\u00dfe Freude. Auch der Fahrer legt eine wohlverdiente Pause ein. Pl\u00f6tzlich Sirene, Blaulicht, ein Polizeiwagen. Die Beamten springen heraus, erkundigen sich nach dem Fahrer, eilen auf ihn zu und sprechen viel Polnisch. Als sie bemerken, dass der Fahrer nichts versteht, wechseln sie auf Deutsch (wir sind nahe Breslau!). Der Fahrer versteht: Er habe an einem Bahn\u00fcbergang vor ca. 20 km nicht vorschriftsm\u00e4\u00dfig gehalten und sich nicht vergewissert, dass kein Zug kommt, sondern sei, wenn auch langsam, so doch keineswegs mit vorgeschriebener Schrittgeschwindigkeit weitergefahren. Mit 50 DM sei die Sache ausgestanden, sofort, selbstverst\u00e4ndlich, hier an sie, die Beamten,\u00a0 ansonsten Polizeirevier\u00a0 &#8230; Befragungen &#8230; Protokolle&#8230; Weiterfahrt erst nach Kl\u00e4rung der Angelegenheit, das k\u00f6nne dauern&#8230; Wir sind gespannt, was passiert, haben dann aber doch nicht damit gerechnet: Unser Fahrer hat seine Lektionen in Warschau blendend gelernt. Er\u00a0 l\u00e4sst ein Donnerwetter von deutsch-polnischem Mischmasch auf die Beamten herunterdonnern, alle Gesten, die Worte, die Lautst\u00e4rke, die Entschlossenheit signalisieren den polnischen Polizisten: Nicht noch einmal mit mir! Nicht hier! Nie mehr! Und die beiden Beamten erkennen, dass hier nichts zu holen ist: Mit gleicher Entschlossenheit, gleicher Lautst\u00e4rke und wilden Gesten &#8211; ziehen sie sich zu ihrem Einsatzwagen zur\u00fcck, schalten das Blaulicht aus, fahren von dannen &#8211; und wurden nicht mehr gesehen&#8230;.<\/p>\n<p><strong>28c<\/strong><br \/>Grenz\u00fcbertritt, es ist ziemlich fr\u00fcher Morgen. Der Schlagbaum ist auf, ein schl\u00e4friger Grenzbeamter winkt aus seinem H\u00e4uschen, wir sollen weiter fahren. Das tun wir &#8211; auf Wiedersehen, Polen!<\/p>\n<p><strong>28d<\/strong><br \/>Ein halbes Jahr sp\u00e4ter. Ich bekomme ein Schreiben vom Zollamt. Ich werde aufgefordert, eine zollamtliche Erkl\u00e4rung \u00fcber die nach Polen eingef\u00fchrten Gegenst\u00e4nde abzugeben, Scheinwerfer mit Stativ, Lautsprecheranlage, Tonmischpult, diverses Kleinzeug. Ich schlucke. Ich frage nach: Die zollamtliche Bescheinigung \u00fcber die Einfuhr der Gegenst\u00e4nde, die wir zum Theaterspielen gebraucht haben, liege vor, aber die entsprechende Best\u00e4tigung \u00fcber die Ausfuhr nicht &#8211; richtig, wir waren ja auch an der Grenze durchgewunken worden, ich hatte mir keinen Stempel abgeholt&#8230;.\u00a0 Ich erkl\u00e4re, dass alles wieder da ist, es liege im Theatergruppen&#8220;kab\u00e4uschen&#8220; &#8211; einem Abstellraum an der Aula. Gut, man werde eine Ortsbesichtigung durchf\u00fchren.\u00a0 Wieder kommen drei Z\u00f6llner, alles wird sorgf\u00e4ltig in Augenschein genommen, und nach einer Ermahnung, demn\u00e4chst auf die ordnungsgem\u00e4\u00dfe zollamtliche Abfertigung nicht nur bei der Einreise, sondern auch bei der Ausreise zu achten, geben sich die Beamten zufrieden und trollen sich. Ein n\u00e4chstes Mal gab es nicht &#8211; denn seit der \u00d6ffnung der Grenzen kann ohne Zollpapiere ausgef\u00fchrt werden, was eingef\u00fchrt wurde&#8230; und als wir dann im Jahre 2006 wieder mit gro\u00dfem Gep\u00e4ck nach Warschau zur Theaterauff\u00fchrung &#8222;Der Schulfreund&#8220; gefahren sind, gab es keine Zollformalit\u00e4ten mehr und keine Stempel.<\/p>\n<p><strong>29<\/strong><br \/>Das Jahr 1994. Die Theatergruppe hatte mit gro\u00dfem Erfolg &#8222;Die Nash\u00f6rner&#8220; von Eugene Ionesco aufgef\u00fchrt. Wir waren eingeladen worden, die Inszenierung auch in der Namenspartnerschule aufzuf\u00fchren, dem Melanchthongymnasium in Lutherstadt Wittenberg. Gerne sagten wir zu, die Partnerschaft zwischen beiden St\u00e4dten war gerade geboren und noch eine zarte Pflanze, die es zu hegen und zu pflegen galt. Wir wollten gerne dabei sein. Der Bus sollte uns kurz nach dem mitt\u00e4glichen Schulschluss vor der Schule abholen. Also trugen wir alles, was wir so ben\u00f6tigten, auf den Gehsteig beim Abfahrtsort &#8211; Stative, Scheinwerfer,\u00a0 Tonanlage, Kost\u00fcme mit den Kleiderst\u00e4ndern und, und, und &#8211; und nat\u00fcrlich die sorgf\u00e4ltig und liebevoll aus Pappmach\u00e9 hergestellten Nashornk\u00f6pfe. Als Schulschluss war, str\u00f6mten die Sch\u00fcler aus dem Haus, sahen uns und die aufgereihten Gegenst\u00e4nde und wechselten spontan die Gehrichtung &#8211; hin zu uns. Rufe wurden laut: Prima, hier ist Flohmarkt! Nee, das ist Sperrm\u00fcll, komm, wir nehmen was mit, das kann ich gut gebrauchen! Was kostet so ein Nashornkopf? Und der Scheinwerfer? Nur mit M\u00fchen und vereinten Kr\u00e4ften konnten wir die Besucher des vermeintlichen Flohmarktes davon abhalten, unser kostbares Theatergruppeninventar zu pl\u00fcndern!<\/p>\n<p><strong>30a<\/strong><br \/>Als geb\u00fcrtiger Berliner, der in D\u00fcsseldorf aufgewachsen ist, fiel es mir nicht immer leicht, mich in der s\u00fcdwestdeutschen Sprachlandschaft zurechtzufinden. W\u00e4hrend der Studentenzeit in Freiburg i. Br. erschien das Alemannische noch nicht als\u00a0 Problem, denn die meisten Studierenden kamen sowieso aus dem deutschen Norden, und so war man auch, was die Sprache betrifft,\u00a0 weitgehend &#8222;unter sich&#8220;. Schwieriger wurde es als Referendar in Ettlingen oder dann als Lehrer in Bretten &#8211; wenngleich erforderliche Ausreisen aus dem Badischen ins W\u00fcrttembergische mir schnell klar machten, dass die Einheimischen in der Rheinschiene und den angrenzenden Landschaften &#8211; Bretten liegt im s\u00fcdlichen Kraichgau &#8211; meinem Sprachverst\u00e4ndnisverm\u00f6gen ungleich mehr entsprachen als die nur wenige Kilometer weiter \u00f6stlich Ans\u00e4ssigen. Schon in\u00a0 der Stuttgarter Stra\u00dfenbahn f\u00fchlte ich mich regelm\u00e4\u00dfig als Sprachen-Ausl\u00e4nder. Gleichwohl &#8211; eine meiner ersten Aktivit\u00e4ten in Bretten war im Fach Deutsch die Untersuchung der Sprache der Brettener. Angeh\u00f6rige wurden nach den Ausdr\u00fccken f\u00fcr bestimmte Gebrauchsgegenst\u00e4nde gefragt, die Aussprache wurde von den Sch\u00fclern untersucht, auf Tonband festgehalten und kartiert; Probanden f\u00fcr gleiche sprachliche Ausk\u00fcnfte wurden auf dem Brettener Marktplatz gesucht und gefunden. Das Ergebnis war nicht weltbewegend und \u00fcberraschend, fand sich aber doch mit Text und Karte eines Tages in den &#8222;Brettener Nachrichten&#8220; wieder, damals noch viel gelesene und immer noch einzige lokale Tageszeitung. Die Sch\u00fcler ordneten die Brettener Mundart ein in den Grenzbereich zwischen Fr\u00e4nkisch, Rheinfr\u00e4nkisch und Alemannisch, ein weder revolution\u00e4res noch wissenschafts-innovatives Ergebnis, f\u00fcr Sch\u00fcler aber doch \u00fcberraschend neu.<\/p>\n<p><strong>30b<\/strong><br \/>Zwei Ereignisse in diesem Zusammenhang gehen mir nicht aus dem Kopf. Gymnasium Ettlingen, Referendar Schallhorn unterrichtet Deutsch in Klasse 5. Eine Fabel ist dran, irgendetwas mit einem Fuchs. Ich stelle eine Frage, und ein pfiffiger Sch\u00fcler antwortet: &#8222;D&#8216; Fuchs het gschrauet!&#8220; Ich schlucke und bitte den Sch\u00fcler um Wiederholung. Was hast du gesagt? D&#8216; Fuchs het gschrauet. Ich frage die anderen Sch\u00fcler: Was hat der Fuchs (so weit hatte ich es verstanden)? Fast im Chor antwortet die Klasse: &#8222;Er het gschrauet!&#8220; Mein hilfloser Blick zu meinem Einf\u00fchrenden Lehrer &#8211; der wieder einmal in der Stunde anwesend war &#8211; veranlasst mich, die Sache auf sich beruhen zu lassen, die Antwort des Sch\u00fclers zu akzeptieren und wohlwollend fortzufahren:\u00a0 &#8222;Also, der Fuchs hat gschrauet &#8230;.&#8220; Erst nach der Stunde frage ich meinen Lehrer, was der Sch\u00fcler denn da gesagt habe. In seiner ruhigen, bed\u00e4chtigen Art erkl\u00e4rt er: &#8222;Der Fuchs hat geschrien. Aber lassen Sie es gut sein, so sprechen sie hier in Ettlingen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p><strong>30c<\/strong><br \/>Einige Jahre sp\u00e4ter. Ich bin Lehrer in Bretten, Klassenlehrer Klasse 5, heute ist ein Neuer da. Er stellt sich vor, erz\u00e4hlt allerhand. Dann frage ich nach, weil ich wei\u00df, dass er Fahrsch\u00fcler ist: &#8222;Wo wohnst du denn?&#8220; Antwort: &#8222;In Batschenborn.&#8220; Ich gehe meine mentale Landkarte der Umgebung durch &#8211; ein Batschenborn gibt es da nicht. Ich frage nach: &#8222;Wo ist das denn?&#8220; &#8222;Na, in Batschenborn!&#8220; Ich frage die Klasse, keiner wei\u00df Genaues. Der Ort, aus dem der Neue kommt, ist nicht auffindbar. Nach der Unterrichtsstunde frage ich einen Geographiekollegen: &#8222;Batschenborn? Keine Ahnung.&#8220; Da kommt mir eine Idee. Wenn der Batschenborner Sch\u00fcler Fahrsch\u00fcler ist, dann m\u00fcsste ein Kollege, der jeden Tag aus dem weiteren Umland in die Schule f\u00e4hrt, vielleicht Bescheid wissen. Ich frage mich durch. Bei einem Kollegen aus Heidelberg macht es Bingo: &#8222;Batschenborn? Das sagt der Lautsprecher immer in einer Station\u00a0 zwischen Bruchsal und Wiesloch. Batschenborn. Gemeint ist Bad Sch\u00f6nborn &#8212;&#8220; Damals w\u00e4re mir sicherlich das Lied eingefallen, wenn es denn schon geschrieben worden w\u00e4re:\u00a0 &#8222;Ss\u00e4nk ju for tr\u00e4welling wiss Deutsche Bahn&#8220;&#8230;..<\/p>\n<p><strong>30d<\/strong><br \/>Selten, aber doch geschah es, dass sich das sprachliche Problem auch in meinen Alltag einschlich. Als es &#8211; ich war Referendar in Ettlingen &#8211; zum ersten Mal passierte, war ich ratlos, und wenn mein Einf\u00fchrender Lehrer mich im Lehrerzimmer nicht beiseite genommen und beruhigt h\u00e4tte, dann &#8230;.. Was war passiert? Frohgemut war ich aus einer gelungenen Unterrichtsstunde ins Lehrerzimmer gekommen. Da sah ich meinen\u00a0 Kollegen der ehrw\u00fcrdigen Art:\u00a0 Kerzengerade, schwarzer Anzug, Fliege, schwarzer, eckiger Schnauzer, Ur-Ettlinger, Professor Raat, der in dem Roman von Heinrich Mann von den Sch\u00fclern zu Professor Unrat umbenannt wird, lie\u00df gr\u00fc\u00dfen. Ich hatte schon l\u00e4nger eine Frage an ihn stellen wollen, die Gelegenheit war g\u00fcnstig. Ich wendete mich mit meiner Frage also an ihn &#8211; und erlebte unvermutet den Wutanfall eines sonst immer dezent auftretenden Kollegen, den ich mein Lebtag kaum vergessen werde. Rot im Gesicht lie\u00df er eine offensichtliche Schimpfkanonade auf mich hernieder, die ich leider nicht verstand, weil sie in Ur-Ettlinger Dialekt ge\u00e4u\u00dfert wurde. Zum Gl\u00fcck nahm mich dann mein Enf\u00fchrender Lehrer&#8230; siehe oben. Er zog mich aus dem Lehrerzimmer in den Flur und erkl\u00e4rte: &#8222;Sie haben da sehr berlinerisch gesprochen. Aber unser Kollege ist auf Preu\u00dfen nicht gut zu sprechen. Da m\u00fcssen Sie aufpassen. Aber nehmen Sie es nicht zu ernst, das vergeht wieder. Und versuchen Sie, nicht zu berlinern&#8230;.&#8220;<\/p>\n<p>NB: Heute (13. Mai 2024) finde ich im aktuellen DER SPIEGEL einen Bericht \u00fcber den SAP-Mitgr\u00fcnder\u00a0 Hasso Plattner. Eine seiner Formulierungen: &#8222;Ich bin Berliner: schnell, laut, unausstehlich, flei\u00dfig, brutal offen.&#8220; Ob da etwas auf mich abgef\u00e4rbt hat?<\/p>\n<p><strong>31<\/strong><br \/>Heute (3. Mai 2014) lese ich in der Zeitung, dass das kleine rote B\u00fcchlein, die &#8222;Mao-Fibel&#8220;, korrekt: &#8222;Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung&#8220;, 50 Jahre alt geworden ist. Da f\u00e4llt mir ein:<br \/>Als junger Assessor des Lehramts am Lessing-Gymnasium in Karlsruhe, damals noch reine M\u00e4dchenschule, Anfang der 1970er Jahre. Ich war Deutschlehrer in einer 8. Klasse. Eines Tages werde ich von der Schulleiterin informiert, dass die Eltern der 8. Klasse mich zu einem Gespr\u00e4ch bitten, der Termin sei kurzfristig, sie bittet mich, der Einladung zu folgen. Ich frage nach, bekomme keine weiteren Ausk\u00fcnfte. Der Tag des Elterngespr\u00e4chs ist da. Ich habe gr\u00fcndlich gegr\u00fcbelt, wei\u00df aber immer noch nicht, worum es geht. Fr\u00fcher Nachmittag, die Eltern sind da, einige, nicht nur die Elternvertreter. Die Schulleiterin bittet mich, noch ein wenig zu warten. Sie geht hinein. Sie kommt wieder heraus, ich m\u00f6ge eintreten. Ich wei\u00df immer noch nicht, was los ist, alles erscheint hochnotpeinlich. Begr\u00fc\u00dfung durch die Eltern. Die Schulleiterin w\u00fcnscht ein gutes Gespr\u00e4ch und verl\u00e4sst den Raum &#8211; sie habe noch Dringendes zu erledigen. Ein Vater beginnt das Gespr\u00e4ch. Und was kommt heraus: Ich habe in der Klasse vor einigen Tagen ganz nebenbei am Ende der Stunde\u00a0 das Sch\u00fcler-Pendant zur Mao-Fibel den Sch\u00fclerinnen gezeigt, &#8222;k\u00f6nnt ihr ja mal reingucken&#8220;, zu Hause, im Unterricht sei dazu leider keine Zeit. Eine Sch\u00fclerin hat sich&#8217;s gekauft, die Mutter gefunden. Emp\u00f6rung, denn zur damaligen Zeit stand in &#8222;Das kleine rote Sch\u00fclerbuch&#8220; Entsetzliches: &#8222;Viele von euch meinen: es n\u00fctzt ja doch alles nichts. Wir setzen nie etwas durch. Die erwachsenen entscheiden alles &#8211; und unsere freunde haben angst oder sind gleichg\u00fcltig.&#8220; Und so weiter, auch unerh\u00f6rt Unsittliches auf einigen Seiten (wer las damals aber nicht schon unter der Bank w\u00e4hrend der Schulstunde l\u00e4ngst die Ratschl\u00e4ge von Dr. Sommer in Bravo??) &#8211; wer das B\u00fcchlein (noch) zu Hause hat, m\u00f6ge es nachlesen. Den Eltern erschien die 68er-Revolution in Gestalt von Assessor Schallhorn in der doch bisher so friedlichen, altehrw\u00fcrdigen Schule angekommen&#8230;. Kurzum: Wir einigten uns nach ehrlicher Aussprache auf Unterlassung der Revolution. Aber einige Eltern gingen mit dem festen Vorsatz nach Hause, doch mal in den Schultaschen ihrer Kinder nachzuschauen, was da so alles zu finden w\u00e4re, Bravo &#8211; so die einhellige Meinung der anwesenden Eltern &#8211; jedenfalls nicht! Und &#8222;Das kleine rote Sch\u00fclerbuch&#8220; schon gar nicht!\u00a0 Wenig sp\u00e4ter lag in der Pause auf dem einen oder anderen Sch\u00fclerpult pl\u00f6tzlich offen (!) die neueste Ausgabe von Bravo &#8211; und die Sch\u00fclerinnen baten mich, mit ihnen doch &#8222;Das kleine rote Sch\u00fclerbuch&#8220; gemeinsam zu lesen, was ich (in Ausz\u00fcgen) dann auch gerne tat&#8230; und die Revolution blieb tats\u00e4chlich aus &#8211; oder?<\/p>\n<p><strong>32<\/strong><br \/>Im Internet sto\u00dfe ich auf einen interessanten Link: Ankn\u00fcpfend an die allm\u00e4hlich sich verbreitende Erkenntnis, dass &#8222;der imposante Jargon und die eindrucksvolle Gelehrsamkeit der postmodernen Philosophie ein erschreckendes Faktum verbergen: Der Kaiser ist nackt&#8220; (Sokal\/Brickmont: Eleganter Unsinn) und mir das angesichts von Ver\u00f6ffentlichungen neuester geographiedidaktischer Forschungen durchaus zu denken gibt, kann man nach dem Einloggen in Sekundenschnelle einen wissenschaftlichen Aufsatz &#8211; mit Abbildungen, Fu\u00dfnoten und Literaturverzeichnis &#8211; generieren und durch die Ver\u00f6ffentlichung seine wissenschaftliche Reputation ungemein erh\u00f6hen. Ich logge mich also ein. Es wird ein Partner verlangt &#8211; ich gebe den Namen von Freund F. ein. Return. Wie versprochen: Sekundenschnell erscheint der Aufsatz, als Autoren werden F. und ich genannt, was will man mehr? Der Titel ist Ehrfurcht einfl\u00f6\u00dfend: &#8222;Decoupling Reinforcement Learning from Kernels in the World Wide Web.&#8220; Ich schicke den Aufsatz meinem Co-Autor. \u00dcberraschung! Surprise! Ich erkl\u00e4re. Nach einiger Zeit erz\u00e4hlt er mir: Er habe den tollen Aufsatz &#8211; nat\u00fcrlich voller Stolz &#8211; seinen Kollegen gezeigt. Nachdem die ihre Sprachlosigkeit \u00fcberwunden hatten, \u00e4tzten sie:\u00a0 So so, daf\u00fcr habe er Zeit, jetzt w\u00fcssten sie es ja, warum er sich bei der Mitarbeit in einer der vielen Kommissionen zur Qualit\u00e4tsverbesserung ihrer Schule und des Unterrichts immer so zur\u00fcckgehalten habe! Das sei aber nun wirklich nicht fair&#8230;.<\/p>\n<p><strong>33<\/strong><br \/>Mit Beginn meiner Lehrert\u00e4tigkeit am Melanchthon-Gymnasium Bretten gr\u00fcndete ich eine Theatergruppe. Den Namen &#8222;Theatergruppe&#8220; (anstatt z.B. Theater-AG) \u00fcbernahm ich in guter Erinnerung an meine eigene Sch\u00fclerzeit am Schloss-Gymnasium in D\u00fcsseldorf-Benrath, wo ich drei Jahre lang in der Oberstufe Mitglied in der Theatergruppe war (unvergessen Herr OStR Fleischhauer, unser &#8222;Japs&#8220;). Und die Leitung einer Theatergruppe schlie\u00dft nicht nur die w\u00f6chentliche Probe ein, sondern auch Planung und Organisation der Auff\u00fchrungen, Besorgen von Requisiten, Technik, B\u00fchnenbild, Plakate, Eintrittskarten, Einwerben neuer Mitglieder, Motivation aller Art&#8230;. Oft habe ich zu Beginn des Schuljahres Kolleginnen und Kollegen gefragt, ob sie nicht Lust h\u00e4tten, bei der Leitung mitzumachen. Meistens bekam ich Absagen, nein, das sei nichts f\u00fcr die\/den Gefragten. Manchmal kam aber die Bereitschaft, ja, man werde zur n\u00e4chsten Probe kommen und mal sehen. Und tats\u00e4chlich kam dann auch mal die eine oder der andere. Aber immer ergab sich der gleiche Ablauf: Sp\u00e4testens zur vierten\u00a0 Leseprobe zum neuen St\u00fcck entschuldigte sich der neue Interessent: Er k\u00f6nne heute wirklich nicht, aber das n\u00e4chste Mal bestimmt wieder. Das n\u00e4chste Mal konnte er\/sie dann aber leider auch nicht, und beim \u00fcbern\u00e4chsten Mal hat er\/sie sich dann gar nicht mehr abgemeldet. Manchmal habe ich dann nachgefragt: Nein, so die Antwort, so richtig sei das nichts f\u00fcr sie\/ihn, so viel Arbeit zus\u00e4tzlich, und dann auch noch freitagnachmittags, so habe sie\/er es sich nicht vorgestellt&#8230;.<\/p>\n<p><strong>34a<\/strong><br \/>Anfang der 1980er Jahre. Das L\u00e4ndle hatte einen neuen Kultusminister bekommen, Gerhard Meyer-Vorfelder, kurz MV. MV hatte sein besonderes Augenmerk auf das Fach Geographie, oder wie es in der Schule damals noch mehr als heute hie\u00df: Erdkunde geworfen. Ihm war ein Dorn im Auge, dass die Erdkundelehrer sich mit Themen, anstatt mit L\u00e4ndern und Regionen befassen wollten. Denn wir waren angeregt worden, nicht nur z.B. Stuttgart im Unterricht zu behandeln (nach Mannheim und Karlsruhe und Freiburg und Offenburg und Ulm), sondern mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern zu \u00fcberlegen, wie Gro\u00dfst\u00e4dte entstehen und funktionieren. Gar nicht so falsch, da blieb so manche Wiederholung weg. Oder H\u00e4fen: Nicht nur Hamburg und Mannheim als See- oder Binnenhafen, sondern einfach H\u00e4fen: Wo, warum, wie&#8230;. MV sah da keine Ordnung, nur Unordnung, und vor allem viel Ferne, anstatt der erw\u00fcnschten N\u00e4he. Wir sollten lieber unterrichten, dass der Neckar in Heidelberg (!!!)\u00a0 in den Rhein m\u00fcnde, das sei richtiger erdkundlicher Unterrichtsstoff in Klasse 5&#8230;. Vom Nahen zum Fernen wurde zum unumst\u00f6\u00dflichen Unterrichtsprinzip erhoben, alles Andere sei mehr oder weniger sch\u00fclerfeindlicher Humbug. Bullshit, w\u00fcrde man heute sagen.<\/p>\n<p><strong>34b<\/strong><br \/>Dann gab es eine Lehrer-Fortbildungsveranstaltung auf der Comburg, wo seinerzeit die Akademie f\u00fcr Lehrerfortbildung untergebracht war. Wir h\u00f6rten lustlos den unteren Kultusministerialen zu, die uns den neuen, nun absolut richtigen Lehrplan erl\u00e4uterten. Musterbeispiel f\u00fcr &#8222;vom Nahen zum Fernen&#8220; sei die Landwirtschaft. Wir wurden dazu angeregt, mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern einen Bauernhof in der N\u00e4he der Schule zu besuchen, da k\u00f6nnten dann alle sehen, wo die Milch herkomme, ein Kalb oder auch ein Lamm streicheln, die Schweine sehen, erkennen, wie der heimische Betrieb sowohl das Futter f\u00fcr das Vieh selbst anbaue und noch ein wenig mehr f\u00fcr den Markt in der Nachbarschaft und \u00fcberhaupt: L\u00e4ndliches Leben genie\u00dfen. Zaghafte Einspr\u00fcche von Kollegen aus der Gro\u00dfstadt, das sei gar nicht so einfach, weil kein Bauernhof in der N\u00e4he, wurden heruntergeb\u00fcgelt. Warten Sie ab, wir haben die Besichtigung eines Musterbauernhofes vor, morgen, dann werden Sie sehen, wie das mit F\u00fcnftkl\u00e4sslern geht, vom Nahen zum Fernen&#8230;\u00a0 Am n\u00e4chsten Tag fuhr ein Bus vor und brachte uns zum Musterbauernhof. Kein Tier zu sehen, die Hoffl\u00e4che sauber, mit Platten belegt &#8211; eigentlich sollten wir zur Begr\u00fc\u00dfung die K\u00e4tzchen streicheln, mit einem Lamm kuscheln und uns daran erfreuen, wie die Sauen mit ihren Ferkeln im Matsch suhlen. Fehlanzeige. Im Stall die Milchk\u00fche, leider nur ein sehr junges Kalb, bitte nicht streicheln. Wo ist der Schweinestall? Dort. Aber Sie k\u00f6nnen da nicht hinein, das ist verboten. Die Schweine haben&#8217;s dunkel, sie schlafen. Sie k\u00f6nnen durch das Fenster hineinsehen, ich schalte ganz kurz das Licht an&#8230; Wo bauen Sie denn das Futter an? Unsere Felder sind dort dr\u00fcben&#8230; Ich schaue mich auf dem Hof um. Hinten um die Ecke sehe ich zwei \u00c1nh\u00e4nger stehen. Ich gehe hin. Sie sind voll beladen mit Sojaschrot. Ich mache die anderen darauf aufmerksam, der Bauer erl\u00e4utert, er habe das Futtermittel heute Vormittag aus dem Heilbronner Hafen geholt, es komme aus S\u00fcdamerika. Ich frage den kultusministerialen Leiter unserer Exkursion, wie wir das denn im Unterricht umsetzen sollen, denn das Futtermittel komme ja nun mitnichten aus der N\u00e4he. Da bin ich ihm wohl zu nahe getreten, denn sichtlich genervt murmelt er, so eng sei das nun auch nicht zu verstehen und au\u00dferdem m\u00fcssten wir wieder zur\u00fcckfahren, der Bus warte&#8230;<\/p>\n<p><strong>35<\/strong><br \/>Nicht ganz zum Thema &#8222;Lehrerleben&#8220;, eher zu&#8220;Leben&#8220; passend: Heute (19. Juni 2015) lese ich in der lokalen Zeitung, dass als Folge des Starkregens mit verheerendem Hochwasser in der Stadt und besonders in Diedelsheim am Abend des 6. Juni 2015 &#8222;als erste Ma\u00dfnahme in Diedelsheim&#8220; vorgesehen sei, &#8222;entlang des Saalbaches Erdw\u00e4lle und D\u00e4mme&#8220; zu errichten oder bestehende zu erh\u00f6hen. Lese ich richtig? In mir steigt die Erinnerung hoch (ich sehe den halluzinierenden Orest in Goethes &#8222;Iphigenie&#8220; vor mir):\u00a0 In den 1980er Jahren war ich auf der FDP-Liste \u00fcberraschend in den Gemeinderat der Stadt Bretten gew\u00e4hlt worden (die auch in Bretten damals staatstragende CDU war &#8222;not amused&#8220;) und trug zusammen mit einer FDP-Stadtr\u00e4tin Mitverantwortung f\u00fcr die Geschicke der Stadt &#8211; was sich angesichts unserer zwei Voten bei Abstimmungen trotz unseres besten Willens sehr schwierig darstellte. Gleichwohl trug ich unsere Argumente immer deutlich und ausf\u00fchrlich vor &#8211; was den Gemeinderat dazu veranlasste, eine &#8222;Lex Schallhorn&#8220; zu verabschieden (gegen zwei Stimmen): Die Redezeit wurde auf drei Minuten begrenzt. Als ich nach einem der zahlreichen &#8222;Jahrhunderthochw\u00e4sser&#8220; des ansonsten friedlichen Kraichgaubaches Saalbach darauf hinwies, dass an bestimmten Stellen der Damm des Baches deutlich erniedrigt sei und dort bei Hochwasser zuerst das Wasser auf die danebenliegenden Felder und dann in die Keller der H\u00e4user str\u00f6mt (was einfach zu erkennen sei, wenn man hinschaute), erntete ich wieder einmal h\u00f6hnisches Lachen, denn nach einem Gutachten eines Ingenieurb\u00fcros war das nicht so. Sch\u00f6n, dass nun, 30 Jahre sp\u00e4ter, die Erdw\u00e4lle und D\u00e4mme&#8230; siehe oben&#8230;.<\/p>\n<p><strong>35b<\/strong><br \/>Als Stadtrat im Gemeinderat der Stadt Bretten eckte ich mit meinen Vorschl\u00e4gen \u00f6fter an &#8211; die Brettener Nachrichten legten mir den Beinamen &#8222;Querdenker&#8220; zu, was ich allerdings als Ehrung auffasste. Es waren also die 1980er\u00a0 Jahre &#8211; beinahe 40 Jahre sind seitdem vergangen, und es scheint von heute aus gesehen, dass ich meiner Zeit (oder der &#8222;Denke&#8220; der Stadtr\u00e4te) weit voraus war&#8230;.<br \/>&#8230;einmal habe ich vorgeschlagen, dass die Brettener Firmen doch in eigener Regie Kindertagesst\u00e4tten einrichten sollten, damit es den berufst\u00e4tigen Eltern oder Alleinstehenden im Alltag leichter fallen k\u00f6nnte&#8230;.(abgelehnt, inzwischen doch verwirklicht)&#8230;<br \/>&#8230;einmal habe ich vorgeschlagen, in das gro\u00dfe Geb\u00e4ude des hiesigen Gymnasiums einen Fahrstuhl einzubauen, damit es gehbehinderten Sch\u00fclern\/innen und Lehrern\/innen leichter falle, in die f\u00fcnf Etagen zu gelangen&#8230;.(abgelehnt, inzwischen doch gebaut)&#8230;<br \/>&#8230;einmal habe ich vorgeschlagen, als das Dach des Gymnasiums aufgestockt wurde, eine Sternwarte dort oben einzurichten&#8230; (abgelehnt, im Nachbarort verwirklicht)&#8230;.<br \/>&#8230;einmal habe ich vorgeschlagen, an der Einm\u00fcndung von f\u00fcnf Stra\u00dfen einen Kreisverkehr einzurichten&#8230; (abgelehnt, inzwischen doch gebaut)&#8230;.<\/p>\n<p><strong>36<\/strong><br \/>In den 1980er Jahren. Es ist die Zeit zwischen der schriftlichen und m\u00fcndlichen Abiturpr\u00fcfung. Ich treffe im Schulgeb\u00e4ude einen Abiturienten, tief traurig, versunken in die Auslage eines Schaukastens. Ich spreche ihn an, was denn los sei, es bestehe doch \u00fcberhaupt kein Grund zur Traurigkeit. Doch, er m\u00fcsse nach der Abiturpr\u00fcfung zum &#8222;Bund&#8220;, zur Bundeswehr, um seinen &#8211; damals noch verpflichtenden &#8211; Wehrdienst abzuleisten. Er sei so traurig, bald Bretten verlassen zu m\u00fcssen. Wehrdienst sei ja o.k., aber Bretten verlassen, das gehe doch \u00fcberhaupt nicht! Ich versuche, ihn zu tr\u00f6sten, staatsb\u00fcrgerliche Pflichten, St\u00e4rkung der Pers\u00f6nlichkeit, neue Erfahrungen&#8230; Es hat keinen Erfolg. Schlie\u00dflich gebe ich zu bedenken, dass er doch an freien Tagen immer wieder nach Bretten zur\u00fcckkommen k\u00f6nne, besonders aber zu Peter und Paul, dem Brettener Heimatfest. Auch das ist kein Trost. Wohin er denn komme, wo er in der Fremde seinen Wehrdienst ableisten m\u00fcsse? Seine Antwort spricht B\u00e4nde: Er m\u00fcsse in Philippsburg einr\u00fccken, gibt er beinahe schluchzend dem zum Trost bereiten Lehrer bekannt, ausgerechnet Philippsburg, so weit&#8230;. Ich \u00fcberlege: Philippsburg liegt gut 40 km von Bretten entfernt am Rhein, der \u00d6PNV\u00a0 schon damals einigerma\u00dfen ausgebaut, die Reise von dort in die geliebte Heimatstadt Bretten durchaus kein abenteuerliches Wagnis&#8230; aber 40 Kilometer hin und zur\u00fcck &#8211; das sind immerhin schon 80!!! Eine zu gro\u00dfe Distanz f\u00fcr wahre Heimatliebe, f\u00fcrwahr&#8230;.<\/p>\n<p><strong>37<\/strong><br \/>Dieser Tage &#8211; acht Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand &#8211; lese ich in einer Zeitung einen Beitrag \u00fcber das &#8222;scharfe s&#8220;, also den eigent\u00fcmlichen Buchstaben Eszett des deutschen Alphabets, den es nur als besonderes, verschn\u00f6rkeltes Zeichen und nicht als Gro\u00dfbuchstaben gibt &#8211; es gibt allerdings auch kein deutsches Wort, das mit \u00df beginnt. Und ich erinnere mich gleich an zwei Schlachten gegen Windm\u00fchlenfl\u00fcgel, in denen ich mich zeitlebens als Deutschlehrer\u00a0 &#8222;verk\u00e4mpft&#8220; habe und grandios unterlegen bin. Hier die eine: Immer wenn ich eine 5. Klasse in Deutsch \u00fcbernommen habe und die Schreibweise von s Unterrichtsthema war &#8211; sp\u00e4testens dann kam das scharfe s zur Sprache, das auch anders bezeichnet wurde, je nach Grundschullehrerin, Rucksack-s beispielsweise oder Buckel-s. Aber scharf-s war die g\u00e4ngigste Bezeichnung. Meine Gegenfrage war dann stets: &#8222;Und wie hei\u00dft das stumpfe s?&#8220; Kurze Ratlosigkeit war die Reaktion, und schlie\u00dflich wurde das einfache s als &#8222;das andere s&#8220; erkannt &#8211; nur: Ob das nun nicht besser als das stumpfe s bezeichnet w\u00fcrde? Aber: Gibt es stumpfe und scharfe Buchstaben? Wie, bitte, hei\u00dft denn das scharfe n, und was ist das stumpfe l? Oder ist das stumpfe p das b und das scharfe g das k? So kamen wir nicht weiter. Und dann schlug meine go\u00dfe Stunde, und mein Beispielsatz wurde an die Tafel geschrieben: &#8222;Ich sehe, dass das wei\u00dfe Auto um die Ecke saust.&#8220; Was ist das scharfe s? Was das &#8222;stumpfe&#8220;? Wie unterscheiden sich dass und das und wei\u00dfe in ihrer Sch\u00e4rfe oder Stumpfheit? In dieser Stunde dann jedenfalls konnte ich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcberzeugen, dass da irgendetwas nicht stimmte. Ich erl\u00e4uterte den Unterschied zwischen dem stimmhaften (sehe, sausen) und stimmlosen s (dass, das, wei\u00dfe), wies auf die wichtige Unterscheidung der s-Laute im Englischen oder Franz\u00f6sischen (z.B. ils ont &#8211; ils sont) hin, zeigte ihnen, wie sie durch leichten Druck auf den Hals beide s unterscheiden k\u00f6nnten &#8211; und stellte fest, dass es nicht allen Kindern gelang, das stimmhafte s zu sprechen. Wir einigten uns auf die neuen Bezeichnungen &#8222;stimmhaft&#8220; und &#8222;stimmlos&#8220;. Dann erg\u00e4nzte ich noch den offiziellen Namen des Buchstabens \u00df = Eszett, sie sollten mal im DUDEN nachschauen&#8230;. alle waren zufrieden. Regelm\u00e4\u00dfig meldete sich dann irgendein Kind &#8211; oder auch mehrere &#8211; in der n\u00e4chsten Stunde: &#8222;Meine Mama hat gesagt, das hei\u00dft scharf-s!&#8220; Na denn&#8230;.<\/p>\n<p><strong>38<\/strong><br \/>Gleicherma\u00dfen erfolglos war ich bei einer anderen kritischen Einwendung gegen einen offenbar jahrhundelangen, stahlhart eingeschliffenen Gebrauch eines Wortes, das immerhin in der Schule eine besondere Bedeutung hat: Verbesserung. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler machen Fehler, und das ist gut so, denn aus ihnen lernen sie. Sie m\u00fcssen allerdings auch tats\u00e4chlich erkennen lassen, dass sie einmal als falsch Gekennzeichntes zuk\u00fcnftig richtig machen k\u00f6nnen. In Mathematik ist das einfach, eine Aufgabe hat eine richtige L\u00f6sung oder sie ist falsch. Entweder ein Punkt oder keiner. In Deutsch ist das etwas schwieriger: Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler k\u00f6nnen eindeutig berichtigt werden, Ausdrucksfehler sind oftmals nur verbesserungsf\u00e4hig. Und weil ich zwischen &#8222;berichtigen&#8220; und &#8222;verbessern&#8220; unterschied, ermahnte ich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die R-, Z- und Gr-Fehler (A-Fehler haben wir gemeinsam besprochen) in ihren Klassenarbeiten zu &#8222;berichtigen&#8220;, denn Fehler sind nun mal falsch, deswegen k\u00f6nnen sie richtig gestellt, also berichtigt werden &#8211; und ebendiese Fehler seien nicht gut, deswegen k\u00f6nnten sie auch nicht besser gemacht, also: verbessert werden. Wenn also Fehler richtiggestellt werden sollten, dann m\u00fcsse das in einer &#8222;Berichtigung&#8220; erfolgen, nicht in einer &#8222;Verbesserung&#8220;. Das war mein Credo, und die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben das eigentlich auch in meinen Stunden eingesehen. Nur: Die Kolleginnen und Kollegen beharrten auf dem Ausdruck &#8222;Verbesserung&#8220;, das stand dann auch so in der Spalte &#8222;Hausaufgaben&#8220; im Klassenbuch, und vorneweg waren dabei &#8211; die Mathematiklehrer, die den Kindern auftrugen, ihre offensichtlich guten, aber falschen\u00a0 Berechnungen doch zu verbessern, in einer &#8222;Verbesserung&#8220;.<\/p>\n<p><strong>39<\/strong><br \/>Auch nach der Pensionierung l\u00e4sst\/lie\u00df mich das Thema Schule und MGB nicht los. Das war wohl f\u00fcr einige zuviel des Guten. In einem Leserbrief an die Brettener Nachrichten schrieb ich angesichts eines 10-Mio.-Euro-Etats f\u00fcr die Renovierung eines Teils des Melanchthon-Gymnasiums Bretten, man solle doch ein neues Gymnasium an einem neuen Standort bauen anstelle der Investition einer solchen Summe, die doch nichts Grundlegendes ver\u00e4ndern k\u00f6nne &#8211; die alte Dame MGB sei nunmehr in die Jahre gekommen, und man m\u00fcsse die Konsequenzen (er)tragen. <em>Shit-storm!<\/em> Die Elternbeiratsvorsitzende der Schule schrieb in einer Leserbrief-Entgegnung in Anlehnung an K\u00e4stner (in meiner Formulierung), sch\u00f6ner sei immer sch\u00f6ner. Man solle jetzt das M\u00f6gliche fordern und nicht Unm\u00f6gliches f\u00fcr die Zukunft. Ich bedauerte solchen Kleinmut, denn die Realisierung meines Vorschlags werde sowieso m\u00f6glicherweise zehn Jahre in Anspruch nehmen, dann werde die Elternbeiratsvorsitzende ohnehin nicht mehr im Amt sein. Gleichwohl wollte die Elternbeiratsvorsitzende von meinen Gedanken ncihts wissen, warf mir sogar &#8222;Unversch\u00e4mtheit&#8220; in meiner Argumentation ihr gegen\u00fcber vor.\u00a0 Immerhin wurde ich nach dem Leserbrief von einigen Brettenern positiv auf meinen Vorschlag angesprochen, zumal sich angesichts einer Planungspanne in der Stadt ein vielleicht geeignetes Grundst\u00fcck an geeigneter Stelle ergeben h\u00e4tte. Der Gemeinderat und die politischen Parteien der Stadt (au\u00dfer je ein Stadtrat der Partei DIE LINKE und der CDU) schwiegen dazu&#8230;.<\/p>\n<p><strong>40<\/strong><br \/>Immer wieder mal f\u00e4llt mir Vergangenes ein. Stichwort Integration, damals noch nicht so richtig ein Thema&#8230; Meine 10. oder 11. Klasse hatte eine Deutscharbeit geschrieben, und heute besprach ich die Themen und gab die Hefte (damals noch Hefte, keine Schnellhefter&#8230;) mit den korrigierten Arbeiten zur\u00fcck. Es war wie immer, Thema nur gestreift, Rechtschreibung suboptimal, Ausdruck immer wieder mal &#8222;voll&#8220; daneben. In der Klasse waren zwei t\u00fcrkische Br\u00fcder, Zwillinge. Im Unterricht unauff\u00e4llig. Aber (Freude! \u00dcberraschung!): Einer von ihnen hatte eine Arbeit geschrieben, die mir Respekt abn\u00f6tigte, im Ausdruck sorgf\u00e4ltig, Thema bearbeitet, Rechtschreibung na ja&#8230; Er hatte gleiche Vorbereitungsbedingungen wie alle anderen, er hatte das Thema nicht kennen k\u00f6nnen (es war eine Er\u00f6rterung), die Arbeit war gut. Punkt. Als sich das Ergebnis unter den Sch\u00fclern herumgesprochen hatte, gab es zun\u00e4chst leise, dann lauter Protest: Das sind doch T\u00fcrken, die k\u00f6nnen doch gar kein Deutsch, wieso hat der eine 2 und ich eine 3 (oder 4)&#8230; Ich war erschrocken. Was war da los? Mit allem Nachdruck wies ich die Sch\u00fcler zurecht und auf ihre diskriminierenden \u00c4u\u00dferungen hin. Insgeheim wusste ich auch nicht, wie es zu der guten Arbeit gekommen war, aber es war nun mal so und das war auch gut so&#8230;.<\/p>\n<p><strong>41<\/strong><br \/>Und da erinnere ich mich an einen anderen Vorfall: Klasse 12, Deutscharbeit \u00fcber eine Lekt\u00fcre (war es &#8222;Iphigenie auf Tauris&#8220;?). Die Sch\u00fcler\/innen schrieben eifrig, dann gaben sie ihre Hefte ab. Die Themen waren bei etwas Vorbereitung durchaus gut zu bearbeiten, aufgrund der Besprechung im Unterricht waren sie allerdings sicherlich auch kein R\u00e4tsel. Bei der Korrektur fiel mir eine Arbeit auf. Die Diktion passte so \u00fcberhaupt nicht zu der Sch\u00fclerin. Ich gab einen besonders auff\u00e4lligen Satz bei Google ein &#8211; und Volltreffer: Ich fand den ganzen Aufsatz &#8211; bis auf Kleinigkeiten &#8211; im Internet. Die Sch\u00fclerin musste &#8211; immerhin flei\u00dfig! &#8211; den gesamten Aufsatz aus dem Internet abgeschrieben und in das Klassenarbeitsheft als eigene Leistung eingetragen haben. Das war mir noch nie vorgekommen. Ich stellte die Sch\u00fclerin zur Rede. Immerhin gab sie den Betrug zu. Da mir die Sache gravierend erschien, verabredete ich ein Gespr\u00e4ch mit dem Schulleiter im Beisein der Sch\u00fclerin. Der gab einige laue Worte zu Fehlverhalten, Gewissen, Ehrlichkeit und Betrug zum Besten, er werde die Eltern informieren und hoffe &#8230; einmalig &#8230; nicht wieder&#8230; Nach einiger Zeit fragte ich nach: Die Eltern waren nicht infomiert worden, die Sache hatte keine Folgen, so schlimm schien alles nicht gewesen zu sein. Das bisschen Abschreiben&#8230;.<\/p>\n<p><strong>42<\/strong><br \/>Oktober 2006, Lehrauftrag an der PH Karlsruhe in Geographie. Erwartungsfreudig sitzen die Studierenden zur ersten Seminarveranstaltung vor mir. Ich frage: \u201eWie wollen Sie dieses Seminar mit mir gestalten? Wollen Sie die Inhalte \u00fcbernehmen, oder soll ich Ihnen weitgehend das Material pr\u00e4sentieren und mit Ihnen besprechen?\u201c Allgemeines Aufst\u00f6hnen. Eine Studentin meldet sich und sagt unter beif\u00e4lligem Gemurmel der anderen: \u201eAlso, wir haben es jetzt satt, dass in jeder Veranstaltung immer nur Referate und Pr\u00e4sentationen von Studierenden gehalten werden. Wir wollen endlich wieder erfahren, wie man \u201ees\u201c macht \u2013 und nicht immer nur das Zwangspublikum von \u00dcbenden sein. Bitte vermitteln Sie uns die Inhalte dieses Seminars.\u201c Das tat ich dann &#8211; und ich hatte den Eindruck, dass\u00a0 es &#8222;gut war&#8220;.<\/p>\n<p><strong>43<\/strong><br \/>Polenaustausch 2004: Zum achten Mal fand der deutsch-polnische Sch\u00fcleraustausch des Melanchthongymnasiums Bretten mit dem 17. Liceum Frycz Modrzewski Warszawa statt. 30 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nahmen von unserer Schule daran teil &#8211; und zum ersten Male musste ich zu Hause bleiben: Unser Familienhund lag nach einem erf\u00fcllten Hundeleben im Sterben, und ich blieb in diesen Stunden bis zum Ende bei ihm. Ein Referendar begleitete die Sch\u00fcler&#8217;innen unter der erfahrenen Leitung meiner Frau (auch Lehrerin am MGB) nach Warschau und Niemce (bei Lublin). Der Aufenthalt verlief wie bisher: Nach Besuch der Sehensw\u00fcrdigkeiten und Gedenkst\u00e4tten\u00a0 in der polnischen Hauptstadt fuhr die deutsch-polnische Gruppe weiter nach Niemce bei Lublin. Hier wurde wieder in Arbeitsgruppen gearbeitet, deren Ergebnisse am letzten Aufenthaltsabend pr\u00e4sentiert wurden. Eine Arbeitsgruppe dichtete und komponierte einen eindrucksvollen Rap:<\/p>\n<p><em><strong>Wir wachsen zusammen<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Manche Leute fangen an \u00fcber Polen zu dissen,<\/em><br \/><em>ohne zu wissen;<\/em><br \/><em>was diese Leute haben erleiden m\u00fcssen.<\/em><br \/><em>Wir finden&#8217;s echt beschissen,<\/em><br \/><em>dass die Leute so wenig \u00fcber Polen wissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind hierher gekommen,<\/em><br \/><em>nicht ganz unvoreingenommen,<\/em><br \/><em>aber in Warschau angekommen,<\/em><br \/><em>wurden wir freundlich in den Familien aufgenommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir haben Freunde gefunden,<\/em><br \/><em>Grenzen \u00fcberwunden,<\/em><br \/><em>wir schlie\u00dfen die alten Wunden<\/em><br \/><em>sie sind zusammengewachsen.<\/em><\/p>\n<p><em>Da haben wir uns besonnen und begonnen,<\/em><br \/><em>die Sch\u00f6nheit dieses Landes zu erkennen, statt zu pennen,<\/em><br \/><em>jetzt sind wir gebannt von diesem Land,<\/em><br \/><em>wir haben es vorher nicht gekannt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir haben haben Freunde gefunden,<\/em><br \/><em>(&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><em>Warschau ist eine tolle Stadt,<\/em><br \/><em>als wir sie gesehen haben, waren wir platt.<\/em><br \/><em>Hier sollte jeder einmal gewesen sein,<\/em><br \/><em>deshalb machen wir diesen Reim.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir haben Freunde gefunden,<\/em><br \/><em>Grenzen \u00fcberwunden.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wachsen zusammen!<\/em><\/p>\n<p><strong>44<\/strong><br \/>Bis zu meinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst im Jahre 2008 habe ich engagierten Geographieunterricht an meiner ehemaligen Schule durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rte im Verlaufe der Jahre an der Schule (und mit Unterst\u00fctzung der Schulleitung) die Einrichtung eines Geographieraumes mit den w\u00fcnschenswerten Projektionseinrichtungen und die Zusammenstellung einer reichhaltigen Sammlung von alle dem, was man in einem lebendigen Geographieunterricht so ben\u00f6tigt: Beispiele topographischer Karten aus vielen deutschen Landschaften, thematische Karten aller Art verschiedener Ma\u00dfst\u00e4be, geologische Karten, Gesteinssammlungen, Hilfs- und Arbeitsmittel f\u00fcr geographische Exkursionen (Erdbohrer, Schutzhelme, Kompasse, Geologenhammer etc.), Photoapparate f\u00fcr Sch\u00fcler\/innen, Luftbilder, Dias, klimatologische Messger\u00e4te, usw.usw. Alles wohl geordnet in Sammlungsvitrinen, Kartenschr\u00e4nken, Diaschr\u00e4nken. Nat\u00fcrlich eine umfangreiche Wandkartensammlung \u2013 kurzum: Eine ansehnliche Anzahl von Unterrichtsmaterialien. Oft wurden auch geeignete Teile aus ihr zeitweise in Vitrinen im Schulgeb\u00e4ude ausgestellt.<\/p>\n<p>Im Jahre 2022 wurde der Geographieraum mit der Geographiesammlung aufgel\u00f6st: In der Schule komme kein Leistungskurs Geographie mehr zustande, die Objekte der geographischen Sammlung w\u00fcrden nicht mehr ben\u00f6tigt, hie\u00df es. Vieles wurde weggeworfen, einiges verschenkt, das Mobiliar einer anderen Nutzung zugef\u00fchrt. Das war\u2019s.<\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<h3 class=\"has-small-font-size\">\u00a0<\/h3>\n<p><strong>45<\/strong><br \/><em><strong>Januar 2023:<\/strong><\/em> Wocheneinkauf im Supermarkt. Der Kunde neben mir mustert mich, bleibt stehen, sein Gesicht hellt sich auf: \u201eSie sind doch Herr\u2026 Ich war vor vielen Jahren Ihr Sch\u00fcler. Meinen Namen kennen Sie sicherlich nicht mehr \u2013 ich bin\u2026.\u201c Ich mustere zur\u00fcck: Im Gesicht des erwachsenen Mannes erkenne ich die Z\u00fcge eines fr\u00fcheren Sch\u00fclers. \u201eJa, ich erkenne Sie!\u201c Ich rechne schnell: Es muss eine 10. Klasse gewesen sein. Nach kurzer Begr\u00fc\u00dfung berichtet er: \u201eIch habe vor ein paar Tagen meinem Sohn von damals erz\u00e4hlt, von dem Landschulheim in der Fr\u00e4nkischen Schweiz, von dem meteorologischen Projekt mit Bundeswehr und Universit\u00e4t. Toll war\u2019s, das vergesse ich nie!\u201c Ich schlucke, warum werden die Augen feucht? Zu Hause rechne ich nach: Es sind 38 Jahre seither vergangen, und die Erinnerung lebt immer noch.<\/p>\n<p><strong>46.<\/strong> <br \/>Ich entschuldige mich vielmals. Es ist mir peinlich. Es h\u00e4tte nicht passieren d\u00fcrfen&#8230; Als Fachberater hatte ich die Aufgabe, Kollegen\/Kolleginnen im Unterricht zu besuchen und einen benoteten Bericht \u00fcber den Unterrichtsbesuch an das Oberschulamt zu senden. Bei meinen Besuchen war ich immer bem\u00fcht, die Pers\u00f6nlichkeit der\/des Besuchten angemessen mit zu beurteilen. Bei der schlie\u00dflichen Note bem\u00fchte ich mich immer, dem Prinzip &#8222;in dubio pro reo&#8220; gerecht zu werden. Einmal lief alles eigentlich ganz positiv, ich war zufrieden, der\/die Besuchte auch. Nur &#8211; als ich meinen Bericht &#8211; sp\u00e4ter, als er l\u00e4ngst dem Oberschulamt vorlag &#8211;\u00a0 noch einmal durchlas, stutzte ich und war ungl\u00fccklich wie selten nach einer Beurteilung: In Mannheim kannte ich mich nicht so genau aus, dem\/der Besuchten konstatierte ich, die Schule sei eine im Mannheimer Stadtteil Freudenheim gelegene &#8211; und dabei hei\u00dft der Mannheimer Stadtteil Feudenheim. FEUDENHEIM. Das h\u00e4tte trotz mehrmaligem Korrekturlesen nicht passieren d\u00fcrfen (s.o.), und ich bitte nochmals alle, die damals \u00fcber das unn\u00f6tige und verf\u00e4lschende R gestolpert sind, um herzliches Verst\u00e4ndnis und Entschuldigung&#8230;.<\/p>\n<p><strong>47<\/strong><br \/>Aktuelles:<br \/>Wer ist Eberhard Schallhorn? <br \/>Antwort KI: &#8222;<span id=\"wpaicg-chat-message-15770\" class=\"wpaicg-chat-message\">Eberhard Schallhorn ist mir nicht als eine bekannte Person oder Pers\u00f6nlichkeit bekannt. Es ist m\u00f6glich, dass es sich um eine weniger bekannte oder regionale Figur handelt, \u00fcber die ich nicht ausreichend Informationen habe. Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht weiterhelfen kann. Gibt es noch etwas anderes, wor\u00fcber ich Ihnen Auskunft geben kann?&#8220;<\/span><\/p>\n<p><strong>48<br \/><\/strong><em>Im November 2025 erreichte mich die E-Mail einer fr\u00fcheren Sch\u00fclerin. Hier ein paar Zeilen:<\/em><br \/>&#8222;(:&#8230;) Ich bin ja in vielerlei Hinsicht in Ihre Fu\u00dfstapfen getreten. Zuerst nat\u00fcrlich habe ich die gleichen F\u00e4cher studiert und unterrichte sie immer noch mit Leidenschaft (&#8230;), ich bin seit dem Referendariat auch Mitglied im VD[S]G, wo ich immer wieder Ihren Namen lesen konnte, mache von Anfang an die Theater-AG (&#8230;) und kann da inzwischen auf \u00fcber 20 Jahre Auff\u00fchrungen zur\u00fcckblicken (&#8230;). Ich denke noch gerne an mein erstes &#8222;Praktikum&#8220; (&#8230;) zur\u00fcck, bei dem ich meine ersten Unterrichtserfahrungen machen durfte und Sie mich betreut haben! (&#8230;) War eine sch\u00f6ne Zeit &#8211; und ist es immer noch!&#8220;<\/p>\n<p><em>Was will man als &#8222;alter&#8220; Lehrer mehr?<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h5 style=\"padding-left: 30px;\"><!-- [if gte mso 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