{"id":233,"date":"2013-06-16T10:17:17","date_gmt":"2013-06-16T08:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schallhorn.com\/wordpress\/?p=233"},"modified":"2013-08-07T15:39:22","modified_gmt":"2013-08-07T13:39:22","slug":"eroffnung-des-29-deutschen-schulgeographentages-berlin-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schallhorn.com\/?p=233","title":{"rendered":"Er\u00f6ffnung des 29. Deutschen Schulgeographentages Berlin 2004"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Er\u00f6ffnungsrede von Eberhard Schallhorn,<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><em>1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schulgeographen<\/em><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Verehrte Ehreng\u00e4ste,<\/p>\n<p>sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re f\u00fcr den Verband Deutscher Schulgeographen den 29. Deutschen Schulgeographentag in Berlin 2004 unter dem Motto \u201eZwischen Kiez und Metropole &#8211; Zukunftsf\u00e4higes Berlin im neuen Europa\u201c f\u00fcr er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Dieser Deutsche Schulgeographentag steht unter der Schirmherrschaft von Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang Thierse, der uns in seinem Gru\u00dfwort best\u00e4tigt hat: \u201eDer Geographieunterricht tr\u00e4gt dazu bei, die Entwicklungen in der Welt genauer wahrzunehmen und besser zu verstehen. Ob Umweltprobleme, Verst\u00e4dterung, Minderheitenkonflikte oder Rohstoffmangel \u2013 das sind Themen, die uns alle angehen. Je fr\u00fcher Menschen daf\u00fcr sensibilisiert werden, desto differenzierter und verantwortungsvoller k\u00f6nnen sie handeln.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich begr\u00fc\u00dfe Sie hier in Berlin alle herzlich als Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses 29. Deutschen Schulgeographentages. Sie sind die gewichtigste Gruppe, die Anteil an einem solchen Kongress hat: Ein Nichts w\u00e4re ein Schulgeographentag ohne Teilnehmer, nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Ich freue mich, dass Sie selbst es sich erm\u00f6glicht haben und dass es Ihnen erm\u00f6glicht wurde, diese bedeutendste Fortbildungsveranstaltung der deutschen Schulgeographie zu besuchen.<\/p>\n<p>Ich betone wieder, weil ich \u00fcberzeugt davon bin: Die Beurlaubung zum Deutschen Schulgeographentag lohnt sich f\u00fcr Sie, die Teilnehmenden, und wirkt sp\u00e4ter positiv zur\u00fcck auf Ihre Schule und Ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Wer als Schulbeh\u00f6rde Sie hierher beurlaubt hat, bekommt eine informierte und neu motivierte Lehrkraft zur\u00fcck. Zu kurz denkt der, der fortbildungswilligen Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme versagt hat.<\/p>\n<p>Informieren, reflektieren, orientieren &#8211; auch dieser Deutsche Schulgeographentag\u00a0 soll Ihnen das bieten und erm\u00f6glichen, was auf dem Schulgeographentagsbanner fixiert ist:<\/p>\n<p>Sie, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sollen sich<\/p>\n<p>&#8211; \u00fcber den Stand der Schulgeographie in Praxis und Theorie informieren k\u00f6nnen, um \u00fcber das breite Spektrum von Unterrichtsinhalten, -m\u00f6glichkeiten und -materialien Bescheid zu wissen und es f\u00fcr den eigenen Unterricht zu nutzen sowie ihre gewonnenen Kenntnisse an die Kollegenschaft in der eigenen Schule weiter zu geben<\/p>\n<p>&#8211; Sie sollen in der Diskussion mit Gleichgesinnten und fachlich gleicherma\u00dfen wie Sie Engagierten die M\u00f6glichkeit finden, den Stand und die Aufgaben der Schulgeographie sowie ihren eigenen Unterricht zu reflektieren, um durch Evaluation und Korrektur neue Sicherheit und Zuversicht f\u00fcr ihren Unterricht und in ihrem Beruf zu finden, und<\/p>\n<p>&#8211; Sie sollen sich \u00fcber den aktuellen Stand des Schulfachs Geographie und von Schule allgemein orientieren k\u00f6nnen, um ihren Unterricht zeitgem\u00e4\u00df den fachlichen, methodischen und p\u00e4dagogischen Erfordernissen unter Ber\u00fccksichtigung der Kultusvorschriften ihres Landes anzupassen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Ihnen das alles zu Ihrer Zufriedenheit gelingen m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Der Deutsche Schulgeographentag ist heute einer der beiden gro\u00dfen Kongresse der deutschen Geographie. Er wird\u00a0 veranstaltet vom Verband Deutscher Schulgeographen und in seinem Auftrag vorbereitet und organisiert durch den Ortsausschuss.<\/p>\n<p>Mein herzlicher Dank f\u00fcr die sorgsame und umsichtige Vorbereitung am Veranstaltungsort gilt dem Ortsausschuss um seine Vorsitzende und zugleich 1. Vorsitzende des Landesverbandes Berlin im Verband Deutscher Schulgeographen, Frau Katrin Matthies, und an das gesamte Team, das sie um sich geschart hat. Endlich werden die Gedanken Wirklichkeit, die Sie alle sich \u00fcber die Gestaltung des Kongresses gemacht hat. Sie sehen Ihre Planung verwirklicht. M\u00f6gen auch Sie schlie\u00dflich trotz oder auch gerade wegen der M\u00fchen der vergangenen Zeit mit Wohlgefallen Ihr Werk betrachten. Herzlichen Dank!<\/p>\n<p>Besonders dankbar hervorheben m\u00f6chte ich das reichhaltige Angebot an Exkursionen zwischen Kiez und Metropole und weit dar\u00fcber hinaus. Wir Geographen haben es gut: K\u00f6nnen wir uns doch an die greifbare, wenngleich manchmal nicht mehr so ganz begreifbare Wirklichkeit auch dann halten, wenn\u00a0 p\u00e4dagogische, didaktische oder bildungspolitische H\u00f6henfl\u00fcge die schn\u00f6de Schulwirklichkeit nur noch aus weiter Ferne, damit in sehr kleinem Ma\u00dfstab und deshalb arg vereinfacht wahrnehmen lassen.<\/p>\n<p>Ich freue mich und bedanke mich daf\u00fcr herzlich, dass der Ortsausschuss entscheidende Unterst\u00fctzung gefunden hat durch die Humboldt-Universit\u00e4t Berlin in Person von Herrn Professor Dr. Wilfried Endlicher\u00a0 vom Geographischen Institut und seinen Kolleginnen und Kollegen. Hier erweist sich auch der Zusammenhalt der Hochschul- und Schulgeographie, wie er sich seit 1996 in der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geographie manifestiert.<\/p>\n<p>Unerm\u00fcdliche Unterst\u00fctzung bei allen organisatorischen Fragen hat Frau Dr. Christine Titel geleistet. Auch ihr gilt unser herzlicher Dank.<\/p>\n<p>In den Dank schlie\u00dfe ich ausdr\u00fccklich die Angeh\u00f6rigen, Freundinnen und Freunde aller ein, die an der Vorbereitung beteiligt waren. Sie mussten und m\u00fcssen noch\u00a0 Verzicht \u00fcben, den das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter im Ortsausschuss neben der t\u00e4glichen Belastung durch den Hauptberuf erforderte und erfordert. Aber Licht erscheint am Ende des Tunnels, die Zeit des Wartens auf den anderen oder die andere ist zum Gl\u00fcck bald vorbei.<\/p>\n<p>Mein Willkommensgru\u00df und unser Dank geht von hier aus auch an alle eher im Hintergrund bleibenden F\u00f6rderer und an die\u00a0 Verlage, die &#8211; so scheint es &#8211; erneut keine M\u00fchen gescheut haben, Sie, die Teilnehmenden, umfassend \u00fcber das Lehr- und Lernmittelangebot zu informieren. Herzlichen Dank daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Die Lehrb\u00fccher, Atlanten und Unterrichtsmaterialien f\u00fcr das Fach Geographie geben beredtes Zeugnis ab f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t und Aktualit\u00e4t unseres Faches. Wir alle m\u00fcssen in diesen Zeiten aber aufpassen, dass wir durch die besonderen, oft sehr raschen, wenn nicht gar manchmal \u00fcbereilten Aktivit\u00e4ten der Kultusbeh\u00f6rden nicht dazu verleitet werden, Schulb\u00fccher herauszugeben, bei denen die Zeit zur sorgf\u00e4ltigen Durchsicht fehlte. In einem neuen Schulbuch f\u00fcr die 5. Klasse des Gymnasiums las ich k\u00fcrzlich beispielsweise \u00fcber die Zeit von 1949 bis 1990, und ich zitiere: \u201eWestberlin geh\u00f6rte zur BRD, Ostberlin war Hauptstadt der DDR.\u201c<\/p>\n<p>Unser Verband hat eine gute Tradition, was die Darstellung Deutschlands in geographischen Schulb\u00fcchern anbelangt. Wenn die Historiker heute durchaus erstaunt feststellen, dass sich Geschichte im Raum abspielt, so ist sich die Geographie schon immer dar\u00fcber wohl bewusst, dass der Raum ohne die historische Dimension nicht zu verstehen ist. Dazu m\u00fcssen wir uns bekennen und auch dazu beitragen, dass die vergangene Wirklichkeit weder vereinfacht noch verf\u00e4lscht wird. Genauigkeit und Reflexion, auch \u00fcber den heutigen Gebrauch vielleicht fr\u00fcher einsichtiger Abk\u00fcrzungen, m\u00fcssen gerade die Darstellung im Schulbuch begleiten.<\/p>\n<p>Und wenn ich schon einmal beim Korrigieren bin, das uns Lehrern ja in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen ist und uns nicht losl\u00e4sst, was wir auch tun: Das Motto dieses Schulgeographentages bezieht mit seiner Formulierung \u201eZukunftsf\u00e4higes Berlin im neuen Europa\u201c wie schon in Wien vor zwei Jahren Europa mit ein. Bei allen Schwierigkeiten, die es bei der Bestimmung der Grenzen und der Einteilung Europas gibt: Die j\u00fcngste Erweiterung der Europ\u00e4ischen Union betrifft nicht ost-, sondern weitgehend mitteleurop\u00e4ische L\u00e4nder. Unser Nachbarland Polen liegt nicht in Osteuropa, schon gar nicht in Mittelosteuropa, wie ich immer wieder in \u00fcberregionalen, angesehenen Zeitungen lesen oder auch in den Nachrichten von Radio und Fernsehen h\u00f6ren kann, sondern im \u00f6stlichen Mitteleuropa, in Ostmitteleuropa. Wenn Sie so etwas lesen: Werden Sie auch in dieser Beziehung Ihrer geographischen Verantwortung gerecht und schreiben Sie einen Leserbrief an die Zeitung, in dem Sie darauf hinweisen, dass wohl nicht Warschau in Mittelosteuropa liegt, sondern eher Moskau. Nomen est omen, hei\u00dft es, und mit der richtigen Bezeichnung wird auch deutlich, dass diese L\u00e4nder nicht \u201ejanz weit drau\u00dfen\u201c \u2013 j.w.d. \u2013 liegen, sondern Nachbarn sind oder zumindestens in eher nachbarschaftlicher N\u00e4he liegen.<\/p>\n<p>Dieser Kongress ist auf die Schule hin orientiert, wo der Grundstein gelegt wird f\u00fcr den Erfolg und die Anerkennung der Disziplin Geographie insgesamt.<\/p>\n<p>Die deutsche Hochschulgeographie und die anderen Teilverb\u00e4nde der deutschen Geographie, die in der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geographie verbunden sind, auch die anderen Geowissenschaften und die geowissenschaftlichen Fakult\u00e4ten der deutschen Hochschulen haben inzwischen immer\u00a0 mehr verstanden: Ohne eine starke und lebendige Schulgeographie schw\u00e4chelt die deutsche Geographie insgesamt.<\/p>\n<p>Stark ist die Geographie dann, wenn sie in allen Jahrgangsstufen und in allen Schularten mit zwei Wochenstunden vertreten ist. Das ist in den Schulen der deutschen L\u00e4ndern bisher nicht verwirklicht. So lange ich jedoch in der Verbandsarbeit engagiert bin, auf Landes- und auf Bundesebene immerhin seit nunmehr 22 Jahren, besteht diese Forderung\u00a0 &#8211; und ich habe sie bereits von meinen Vorg\u00e4ngern \u00fcbernommen. Sie ist deshalb nicht falsch, sondern bleibt v\u00f6llig richtig und entspricht internationalem Standard. Wir m\u00f6gen auch durchaus hier und da Erfolge hin zu diesem Ziel erreicht haben, die dann allerdings oft durch Misserfolge woanders kompensiert wurden &#8211; insgesamt bietet sich aber weiterhin ein gespaltenes Bild:<\/p>\n<p>Einerseits wird allseits anerkannt, dass die Inhalte der Geographie unverzichtbare Bildungsinhalte in der Schule sind. Ich habe anfangs aus dem Gru\u00dfwort unseres Schirmherrn zitiert, in dem gerade das zum Ausdruck kommt.<\/p>\n<p>Andererseits wird genau so allseits am Bestand des Schulfachs Geographie ger\u00fcttelt und ges\u00e4gt, und Ausnahmen best\u00e4tigen hier nur die Regel. Traditionelle Inhalte der Geographie, und oft gerade die, die die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von unserem Fach am st\u00e4rksten ansprechen, verschwinden in anderen F\u00e4chern oder in \u00fcberfachlichen Bereichen, manchmal v\u00f6llig.<\/p>\n<p>Und das betrifft nicht nur den gymnasialen Bereich:<\/p>\n<p>In Baden-W\u00fcrttembergs Grundschulen ist mit Beginn dieses Schuljahres das bisherige Fach \u201eHeimat- und Sachkunde\u201c in einen F\u00e4cherverbund \u00fcbergef\u00fchrt worden, in dem die weitgehend auch geographischen Inhalte der Heimat- und Sachkunde mit den F\u00e4chern Musik, Kunst, Werken und Geschlechtserziehung aufgehen. Da passt so Einiges nicht zusammen.<\/p>\n<p>Vielleicht kann unser aller Ziel, die geographische Bildung zu verbessern, heute nicht mehr nur am Schulfach festgezurrt werden.<\/p>\n<p>Es gibt eine Vielzahl von Bereichen in der Schule und in der \u00d6ffentlichkeit in unserem Umfeld, die durch die Mitwirkung der Geographie zur geographischen Bildung beitragen k\u00f6nnen, z. B.:<\/p>\n<p>Der Kollegenausflug k\u00f6nnte zeitweise zu einer geographischen Exkursion umgestaltet werden,<\/p>\n<p>das Schuljahr k\u00f6nnte unter das Motto eines Kontinents gestellt werden, und alle F\u00e4cher tragen das Ihre dazu bei,<\/p>\n<p>die Eltern k\u00f6nnten zu einer geographischen Stadtexkursion eingeladen werden: Die Mainzer Geographen geben mit ihrer \u201eGeographie f\u00fcr alle\u201c ein nachahmenswertes Beispiel, das \u00fcber die Schule hinausgreift.<\/p>\n<p>Aktuelle Ereignisse k\u00f6nnten durch das Fach Geographie als Ausstellung im Schulgeb\u00e4ude aufgearbeitet werden. Viele Zeitungen bieten den Schulen Mitarbeit in der Sparte \u201eZeitung in der Schule\u201c an &#8211; und die von den Sch\u00fclern erstellten Berichte k\u00f6nnen sich lohnend mit geographischen Inhalten besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die Fachabteilung Geographie k\u00f6nnte mit schulexterner Unterst\u00fctzung bei der Abschlussfeier einen Preis f\u00fcr die beste Sch\u00fclerin oder den besten Sch\u00fcler im Fach Geographie stiften.<\/p>\n<p>Im Schulprogramm sollte die Bedeutung geographischer Bildung f\u00fcr die jeweilige Schule festgehalten und zugleich formuliert werden, welchen besonderen Beitrag gerade diese spezielle Schule dazu leisten will.<\/p>\n<p>Ich erinnere hier auch daran, dass die Preistr\u00e4ger im Bereich \u201eGeo- und Raumwissenschaften\u201c des Bundeswettbewerbs \u201eJugend forscht\u201c sch\u00f6ne, aber durchaus nicht extravagante geographische Arbeiten abgeliefert haben \u2013 beispielsweise eine Kartierung der Innenstadt unter der Fragestellung, wie die Attraktivit\u00e4t erh\u00f6ht werden k\u00f6nnte, oder eine Luftbildkartierung. Und auch der \u201eBundesumweltwettbewerb\u201c ist unter Geographielehrern noch weitaus zu wenig bekannt. Beide Wettbewerbe unterst\u00fctzt der Verband Deutscher Schulgeographen mit Sonderpreisen. Die aktuellen Preistr\u00e4ger sind hier in Berlin mit ihren Arbeiten anwesend.<\/p>\n<p>Genau so, wie eine starke Schulgeographie die anderen Bereiche der Geographie positiv beeinflussen kann, wirken die Hochschul- und die angewandte Geographie sowie die Geographiedidaktik an den wissenschaftlichen und p\u00e4dagogischen Hochschulen und den Lehrerausbildungsseminaren durch die Qualit\u00e4t ihrer Arbeit und durch ihre \u00d6ffentlichkeitsarbeit entscheidend auf die Schulgeographie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die deutschen Geographen ziehen alle an einem Strang. Alle m\u00fcssen in einer pluralistischen Gesellschaft gleicherma\u00dfen durch die Qualit\u00e4t ihrer Arbeit wirken, dar\u00fcber professionell berichten und durch Sachverstand beeindrucken. Nur so kann es gelingen, in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen zu werden und in ihr ein eigenst\u00e4ndiges Gewicht zu gewinnen.<\/p>\n<p>Der Zusammenhalt in der deutschen Geographie durch das Wirken der DGfG hat sich aus der Sicht der Schulgeographie in den vergangenen zwei Jahren &#8211; seit meiner letzten Bestandsaufnahme im Rahmen des Deutschen Schulgeographentages in Wien vor zwei Jahren &#8211; weiter verbessert.<\/p>\n<p>Und doch: Nicht nur manchmal komme ich mir als Vertreter unseres gro\u00dfen Schulfach-Verbandes vor wie ein Goldhamster in seinem Laufrad, der mit flinken Beinchen n\u00e4chtelang rennt und rennt &#8211; und doch nicht von der Stelle kommt.<\/p>\n<p>Wir sind uns mit der \u00d6ffentlichkeit darin einig, dass Geographie in der Schule unverzichtbar ist. Wir wissen, dass diese Einsicht nicht in \u00dcbereinstimmung zu bringen ist mit dem bildungspolitischen Handeln in den meisten L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Deshalb lassen Sie mich heute nicht die Forderung erneut beschw\u00f6ren und begr\u00fcnden, warum wir mindestens zwei Stunden Geographie in allen Schularten f\u00fcr angemessen halten, um geographische Bildung in der Bev\u00f6lkerung zu implementieren. Erlassen Sie es mir aufzuz\u00e4hlen, was das Schulfach Geographie leisten kann und leistet. Ihnen als engagierte Experten d\u00fcrfte das ohnehin nicht fremd sein. Zudem liegt es in unserem \u201eMemorandum\u201c Ihren Tagungsunterlagen bei, das auch in der \u00d6ffentlichkeit weit verbreitet worden ist.<\/p>\n<p>Gestatten Sie mir einen anderen Gedankengang:<\/p>\n<p>Das Bestreben der DGfG, die deutschen Geographinnen und Geographen und mit ihnen die Schulgeographen und -geographinnen gemeinsam an einem Strick und in die gleiche Richtung ziehen zu lassen, ist richtig und unumkehrbar. Nur eine gro\u00dfe gesellschaftliche Gruppe wird heute \u00fcberhaupt \u00f6ffentlich wahrgenommen. Noch immer sind wir nicht so weit: Wir sind weder gro\u00df, noch werden wir \u00f6ffentlich wahrgenommen. So wichtig, wie wir ihn wahrnehmen, wird unser Kongress von anderen nicht gesehen. Die, die wir aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei uns heute begr\u00fc\u00dfen wollten, haben sich entschuldigt. Zugegeben, es ist Sonntagnachmittag, aber es ist auch unser Sonntagnachmittag.<\/p>\n<p>Liebe Schulgeographinnen und Schulgeographen, Sie sind mit Ihrem Verband die gr\u00f6\u00dfte Gruppe im Dachverband der deutschen Geographen, der DGfG, der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geographie. Das ist nicht so, weil die anderen Teilverb\u00e4nde weniger geschickt in der Mitgliederwerbung sind, sondern weil es eben mehr Lehrerinnen und Lehrer als Hochschulangeh\u00f6rige und Angewandte Geographen gibt. \u00dcbrigens gibt es noch weit mehr Geographielehrerinnen und \u2013lehrer als Mitglieder in unserem Verband sind. Hier ist durchaus noch erfolgversprechende Mitgliederwerbung denkbar.<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihre T\u00e4tigkeit an den Schulen ist nicht denkbar ohne die T\u00e4tigkeit Ihrer eigenen Lehrer in der Schule fr\u00fcher, ohne Ihre Lehrerinnen und Lehrer in der Hochschule und an den Seminaren. Sie wirken in Ihrem Schulalltag darauf hin, dass auch neue Geographinnen und Geographen nachwachsen. Einer baut auf dem anderen auf. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Geographie ist ohne Sie, die Geographinnen und Geographen an den Schulen, \u00fcberhaupt nicht lebensf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Wenn wir der Meinung sind, dass die Geographie an der Schule nur stark sein kann, wenn die deutsche Geographie insgesamt stark ist, dann d\u00fcrfen wir nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen: Wir erinnern uns an die Mahnung des ehemaligen Bundespr\u00e4sidenten Heinemann, dass drei Finger auf einen selbst zur\u00fcckweisen, wenn der Zeigefinger auf jemanden zeigt.<\/p>\n<p>Zur Zeit tr\u00e4gt jede und jeder von uns im VDSG mit 4 Euro zur Finanzierung der DGfG bei. Pro Jahr! &#8211; das sind monatlich 33 Cent f\u00fcr die Geographie in Deutschland. Der Beitrag der Mitglieder der anderen Teilverb\u00e4nde an die DGfG ist zum Teil erheblich h\u00f6her, ihr jeweiliger Gesamtbeitrag aber doch geringer als der des VSDG, weil wir, der VDSG,\u00a0 eben die meisten Mitglieder haben. Insgesamt &#8211; und das wird in der Gesamtvorstandssitzung und in der Delegiertenversammlung genauer zu besprechen sein &#8211; reichen die Eigenmittel der DGfG nur mit M\u00fchen f\u00fcr das Allernotwendigste aus.<\/p>\n<p>Erwarten wir damit zurecht, dass die DGfG schlagkr\u00e4ftig als Vertreterin der deutschen Geographie unsere Positionen in der \u00d6ffentlichkeit vertritt<\/p>\n<ul>\n<li>durch Pr\u00e4senz bei wichtigen Veranstaltungen,<\/li>\n<li>durch Publikationen,<\/li>\n<li>durch Unterst\u00fctzung der Verwirklichung von innovativen Ideen,<\/li>\n<li>durch kontinuierliche Pressearbeit?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erwarten wir damit f\u00fcr die 33 Cent pro Jahr nicht zu viel &#8211; oder ist uns die St\u00e4rkung des Dachverbands der deutschen Geographie nicht mehr wert? Hier\u00fcber bitte ich Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren und entsprechende Schlussfolgerungen in die Gremien Ihrer Landesverb\u00e4nde einzubringen.<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, kann sich die deutsche Geographie zu Zeiten von Reformen allerorten der eigenen Reform verschlie\u00dfen? M\u00fcssen wir nicht noch mehr wegkommen von der Wahrung der eigenen Teilverbands-Interessen innerhalb der deutschen Geographie, wenn wir doch einsehen, dass nur geschlossenes Auftreten wenigstens Aussicht, und nur das: Aussicht! auf Erfolg bietet?<\/p>\n<p>Als 1990 der damalige 1. Vorsitzende unseres Landesverbandes Bremen, Herr Gerd Feller, die Ansicht \u00e4u\u00dferte, dass es vielleicht sinnvoll sein k\u00f6nnte, den Deutschen Geographentag und den Deutschen Schulgeographentag zu einer gro\u00dfen Veranstaltung der deutschen Geographie zusammenzulegen, wurde der Vorschlag &#8211; auch von mir &#8211; erst einmal beiseite gelegt. Mit Stirnrunzeln bedachte ich auch Frau Kraas, Lehrstuhlinhaberin in K\u00f6ln, die im \u201eRundbrief\u201c vor einiger Zeit den gleichen Vorschlag machte.<\/p>\n<p>Inzwischen meine ich, dass wir alle diesen Vorschlag unvoreingenommen, sine ira et studio, pr\u00fcfen sollten.<\/p>\n<p>Es gab gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, den Deutschen Schulgeographentag neben dem Deutschen Geographentag zu veranstalten. Die Zeiten haben sich aber gewandelt und sind im Wandel. Deshalb gibt es heute ebenso gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, beide Geographentage wieder zusammen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir als Schulgeographinnen und Schulgeographen w\u00fcrden nichts verlieren, sondern die gro\u00dfe Tradition unseres Schulgeographentages in die Veranstaltung \u201eDeutscher Kongress f\u00fcr Geographie\u201c einbringen \u2013 und wir w\u00fcrden von der noch engeren Zusammenarbeit mit der Hochschulgeographie und der Angewandten Geographie profitieren und hautnah den aktuellen Stand der Geographie als Wissenschaft erfahren.<\/p>\n<p>Es gilt, nichts zu \u00fcberst\u00fcrzen, aber auch, nichts auf die lange Bank zu schieben. Entscheidende Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen von den Beteiligten und Betroffenen auch mental, m\u00f6glichst auch mit dem Herzen getragen werden. Der Deutsche Schulgeographentag 2006 wird geplant, und die Deutschen Geographentage 2005 und 2007 sind an Hochschulstandorte vergeben. Aber dann vielleicht?<\/p>\n<p>Alles das, liebe Kolleginnen und Kollegen, m\u00f6gen Sie unter dem Gesichtspunkt \u00fcberdenken, dass Deutschland im Jahre 2012 in K\u00f6ln Gastgeber des Internationalen Geographenkongresses sein wird, erst zum zweiten Male \u00fcberhaupt nach 1899, als der Internationale Geographenkongress hier in Berlin tagte.<\/p>\n<p>Die deutsche Schulgeographie wird bei dem K\u00f6lner Kongress wahrscheinlich wichtige Rollen zu \u00fcbernehmen haben, beispielsweise die Durchf\u00fchrung des Sch\u00fclerwettbewerbs \u201eInternational Geographical Competition\u201c, bei dem unsere Mannschaft im Sommer dieses Jahres in Gdynia so gut abgeschnitten und eine Silbermedaille geholt hat. Oder durch besondere geographische Aktivit\u00e4ten in den einzelnen Schulen. Im Jahre 2012 wird der Verband Deutscher Schulgeographen seinen 100. Geburtstag feiern; er wurde am 1. Januar 1912 von Professor Dr. Hermann Haack in Gotha gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, der 21. Deutsche Schulgeographentag fand im Jahre 1988 unter der Vorstandschaft von Hans W. Friese in Salzburg statt, der 26. Deutsche Schulgeographentag in Wien ist uns allen noch als gro\u00dfer fachlicher und gesellschaftlicher Erfolg in guter Erinnerung. Beide Schulgeographentage hatten ihren Ortsausschuss, und der Vorsitzende beider Ortsaussch\u00fcsse war unser \u00f6sterreichischer Kollege Professor Franz Forster.<\/p>\n<p>Lieber Herr Forster, ich habe beide Schulgeographentage in Salzburg und Wien miterleben d\u00fcrfen, und beide sind mir in wunderbarer Erinnerung. Sie haben mit Ihren \u00f6sterreichischen Kolleginnen und Kollegen insbesondere in Wien den ganzen Charme der \u00f6sterreichischen Geographie den deutschen G\u00e4sten zu F\u00fc\u00dfen gelegt &#8211; und daf\u00fcr haben wir Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen gedankt, und daf\u00fcr sind wir weiterhin dankbar.<\/p>\n<p>Ihre herausragende Unterst\u00fctzung bei der Planung, Organisation und Durchf\u00fchrung der Tagungen haben den Gesamtvorstand dazu bewogen, Ihnen als erstem Ausl\u00e4nder, der inzwischen eigentlich einer von uns ist, eine besondere Auszeichnung zuteil werden zu lassen. Ich m\u00f6chte Ihnen daher heute und jetzt in besonderer Dankbarkeit die <i>Goldene Ehrennadel in memoriam Hermann Haack<\/i> \u00fcberreichen. Dass mir das m\u00f6glich ist, dar\u00fcber freue ich mich mit Ihnen.<\/p>\n<p><i>\u201eDer Verband Deutscher Schulgeographen e. V. verleiht Herrn Professor Franz Forster in dankbarer Anerkennung und W\u00fcrdigung seiner Verdienste um die geographische Bildung und Umwelterziehung in Deutschland und \u00d6sterreich sowie um die freundschaftliche Zusammenarbeit der Schulgeographie in beiden L\u00e4ndern die \u201eGoldene Ehrennadel in memoriam Hermann Haack\u201c. Berlin, am 26. September 2004. Dr. Eberhard Schallhorn, 1. Vorsitzender, Dr. Frank-M-Czapek, 2. Vorsitzender.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Teilnehmer am 29. Deutschen Schulgeographentag, damit w\u00fcnsche ich Ihnen nochmals einen ertragreichen, angenehmen Aufenthalt im Kiez, in der Metropole und in ihrer n\u00e4heren und weiteren Umgebung!29<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Er\u00f6ffnungsrede von Eberhard Schallhorn, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schulgeographen \u00a0 Verehrte Ehreng\u00e4ste, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich erkl\u00e4re f\u00fcr den Verband Deutscher Schulgeographen&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/233"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=233"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/233\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":290,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/233\/revisions\/290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=233"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=233"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schallhorn.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}